HERZLICH WILLKOMMEN!

Mit diesem Blog möchte ich gerne alle Interessierten einladen, an unseren Törns teilzuhaben.
Für Bootfahrer soll es eine Hilfestellung zur eigenen Törnplanung sein, wobei alle Hinweise sich immer auf das Jahr beziehen, in dem wir die Tour gemacht haben, d.h. sie werden nicht laufend aktualisiert! Für weiterreichende Anfragen stehe ich gerne zu Verfügung.
Die ideale Darstellung des Blogs gelingt z.B. mit dem aktuellen Browser von Firefox. Die Fotos können durch Anklicken vergrößert werden, aber nicht ohne Erlaubnis heruntergeladen oder anderweitig verwendet werden, denn das Urheberrecht liegt bei mir, schreibt mich einfach bei Bedarf an.
Ihr findet mich übrigens auch bei Instagram unter @my_bettelu

Nun aber viel Spaß beim Lesen ... Gruß Bettina

Letztes Update: August 2022

2022 - geplant war die Lahn, wegen Rhein-Niedrigwasser wird es kurzfristig Berlin > Scharmützelsee


In der zweiten Osterwoche, am 21. April ist es soweit (recht früh für unsere Verhätnisse), die BetteLu wird wieder in ihr Element gesetzt, gehört sie doch ins Wasser und nicht an Land. Schon im Wasser, aber noch am Kran hängend, kontrollieren wir direkt alle Borddurchlässe, es bleibt aber überall trocken. Auch die Wellendichtung, die Ludger nochmals nachgezogen hatte, hält bei stehendem wie auch unter drehendem Propeller dem Wasserdruck stand > HURRA 👍👍 Wir stellen den Geräteträger noch auf und wollen zur kleinen Proberunde starten, doch nun will der Motor nicht mehr starten 😨😨 Ein Motorcheck und der Blick auf den Dieselvorfilter ergeben keine Auffälligkeiten, es ist alles augenscheinlich OK, nach weiteren Versuchen funktioniert es doch. Was auch immer es war ... wir wissen es nicht 🤷‍ 🤷🏻‍♂️ Eine kleine Proberunde kurz auf den Kanal raus und wieder zurück verläuft ohne Probleme, ebenso das erste Anlegen in unsere Box. Hier vervollständigen wir die Persenning und bringen die Relingwände wieder an, diese dürfen auch immer bei uns im Keller überwintern und sind vor kurzem frisch gewachst worden.


Am nächsten Tag geht das Putzen weiter, denn nach der Proberunde gestern hat sich gezeigt, wie schön das Wasser dank unseres Einsatzes abperlt 💧💧 Ludger kümmert sich um das dreckige Salondach, die Solarpanele können wir dafür ohne großen Aufwand zur Seite stellen. Ich nehme mir derweil das Achterdeck und die Gangbord vor, dabei hilft mir eine 12V-Minipumpe, die mir das Kanalwasser direkt an den Schrubber heranbefördert, das funktioniert SUPER ✨, an manchen Stellen muss auch eine alte Zahnbürste herhalten.
An den folgenden Tagen gibt es noch viel zu tun: nun wollen die Aufbauten gewaschen und poliert werden, das Ruder bekommt eine Fetteinspritzung, die Bugbatterien werden auch an den neuen Batteriemonitor angeklemmt, die Frischwassertanks bedrüfen einer Reinigung, leider haben sie keine Inspektionsklappe: der Versuch mit Gebissreinigertabs sieht 👀 und riecht 👃 erst vielversprechend aus, doch nach 2 Tagen ist es genauso unangenehm wie im letzten Jahr 😕
> wir bleiben vorerst bei stillem Mineralwasser für die Nahrungszubereitung 😕 Da sich die Wassertanks unter dem Eignerbett befinden, können wir erst nach 5 Wochen unsere Matratze mitbringen und an Bord übernachten 😴🛌 Bei herrlichem Wetter gönnen wir uns u.a. den ersten Anlegeschluck des Jahres und ein Fläschchen Rotwein 😋 Geschlafen haben wir danach vorzüglich und morgens konnten wir das Frühstück im Sonnenschein auf dem Achterdeck einnehmen

HERRLICH
> nun sind wir endlich in der Sommersaison angekommen 😎😎



Im Juni haben wir beide eine Woche Urlaub und starten unsere erste Tour in diesem Jahr. Gemeinsam mit unserem Nachbarboot VENTURA heißt es bei schönem 🌞 Wetter ablegen und Richtung Norden fahren. Der Kanal ist heute nicht viel befahren, so können wir weite Strecken nebeneinander fahren. Schade, dass grad kein Bekannter auf einer der Brücken steht und ein Bild von uns machen kann. Manchmal wäre eine Drohne doch schön, aber über dem Kanal darf sie dann auch wieder nicht fliegen ...
Beim Nassen Dreieck geht es in den Mittellandkanal, um dort bei km 4 in den Stichkanal Ibbenbüren einzubiegen, hier kann man schön in der Natur an der Sportbootliegestelle festmachen. Den Anlegeschluck nehmen wir an Land ein, denn dort haben wir es uns mit Tisch und Stühlen gemütlich gemacht, am Abend wollen wir hier noch grillen. Doch vorher legt die Wasserschutzpolizei an und nimmt bei allen Booten die Sportbootüberprüfung vor, nun haben wir endlich mal wieder ein aktuelles Abzeichen 👍 Den ganzen Abend sitzen wir noch hier in gemütlicher Runde und lassen uns das Grillfleisch mit Salaten und dem ein oder anderen Bierchen gut schmecken 😋😋😋😋
Am nächsten Morgen ist strahlend blauer Himmel, da schmeckt das Frühstück doch wieder hervorragend, anschließend lässt jeder von uns auf seine Weise die Seele baumeln: Klaus genießt die Sonne, Anne widmet sich einem Buch und wir lesen online unsere heimische Tageszeitung Die Glocke
> URLAUB HALT
Erst Mittags legen wir ab, bei der Stichkanalausfahrt geht es vorbei an den Hafenanlagen, in der Woche werden hier Schüttgüter auf Züge verladen, da hört man schon mal die Züge fahren und rangieren, doch empfinden wir es nicht als störend, nachts herrscht Ruhe.
Wir folgen dem Mittellandkanal weiter nach Osten, unterwegs ist nicht viel los, einige Sportboote sind wohl unterwegs, man merkt, dass morgen Feiertag ist (zumindest in NRW). An einer Liegestelle liegt ein verlassen wirkendes Schiff, seine Optik ist einem klassischen Piratenschiff nachempfunden, ob die Crew wohl die Rumvorräte auffüllt oder womöglich noch die Wirkungen von abends auskuriert ... Nach nur 10 km Wegstrecke biegen wir in die Marina Recke ein und finden an dem neu angelegten sehr langen Gästesteg genug Platz für unsere beiden Boote. Im dortigen Panorama-Café mit großer Außenterrasse lassen wir uns ein kühles Getränk und ich mir ein leckeres Stück Stachelbeer-Torte schmecken. Heute ab 18:00 Uhr findet wieder das bekannte Grillbüfett statt, dazu gibt es immer eine große Anzahl hausgemachter Salate, wir melden uns dazu an und lassen es uns auch am Abend gut gehen. Leider wird bei Büfetts ja oft viel weggeschmissen, da die Leute ihre Teller einfach zu voll machen 😠😠 um dem entgegengegenzuwirken wird das Fleisch pro Stück und der Salat nach Gewicht berechnet 👍👍
Nach diesem köstlichen Mahl lassen wir den Abend an Deck der VENTURA ausklingen und genehmigen uns einen mit Sekt aufgefüllten Himbeergeist 🍹😋
Auch der folgende Tag begrüßt uns mit blauem Himmel, noch vor Mittag verabschieden wir uns von dieser schönen Marina und fahren auf dem Mittellandkanal weiter Richtung Osten. Während der Fahrt erledige ich noch ein paar kleine Streicharbeiten im vorderen Gangbordbereich. Nach ca. 1 Stunde biegen wir in den Stichkanal Osnabrück und erreichen nach nur einem halben Stündchen den Osnabrücker Motor-Yachtclub, hier passen wir in die Gästenische genau hintereinander. Das Hafenrestaurant wird leider nicht mehr bewirtschaftet, man kann
dort wohl am Abend sein Bierchen bekommen 🍺 doch wir sind heute Selbstversorger. Nach dem obligatorischen Anlegeschluck (heute einen Amalfi) gibt es leckere Pellkartoffeln mit Heringsstipp 😋😋 Abends haben wir einen schönen Blick über die Felder auf den Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen legen wir schon sehr früh ab, es ist noch VOR 9 Uhr 😲 Zunächste fahren wir zur Sportbootliegestelle Bramsche, um dort im nahe gelegenen Supermarkt Proviant für die letzten beiden Tage zu kaufen, dann geht es wieder zurück zu "unserer" Liegestelle bei km 4. Diese ist gerade am Wochenende sehr beliebt, deswegen das frühe Aufstehen, so erreichen wir sie noch vor 14 Uhr und können wieder hintereinander festmachen. Den Anlegeschluck genehmigen wir uns heute auf unserer Badeplattform sitzend, es gibt Ricard mit Wasser gemischt > HERRLICH
Am Abend grillen wir nochmals und beschließen, morgen nicht wie geplant nach Riesenbeck weiter zu fahren, sondern den angekündigten heißen Tag hier zu verbringen.
Nach dem Frühstück machen wir einen Erkundungsgang: wir gehen einmal um den Stichkanal herum und bekommen so einen schönen Blick auf die große Liegestelle, in dem Wendebecken dürfen am Wochenende die Sportboote festmachen, wir liegen jedoch wie schon vor einigen Tagen an der langen Spundwand. Wieder zurück an Bord hüpfen wir zur Abkühlung erst einmal in das erfrischende Wasser und schwimmen eine Runden 🏊🏊 Nach einer nun verdienten Ruhepause 😴😴 sind wir jedoch wieder voller Energie und pumpen unser neues SUP-Board auf, es soll heute eingeweiht werden. Auch nach einem Jahr Pause klappt das immer noch ganz gut, nicht nur bei mir, auch Ludger dreht so einige Runden. Beim späteren Abbauen müssen wir leider feststellen, dass an der Unterseite an mehreren kleinen Stellen Luft austritt 😲😲 > so ein Mist, hatten wir doch letztes >Jahr< schon Pech mit unserem Board. Zum Glück können wir es, wie auch damals, noch wieder zurückschicken, um wenigstens das Geld wieder zu bekommen, aber es ist ärgerlich.
Wir sollten wohl doch mal ein höherwertiges kaufen ...
Da es unser letzter Abend ist, den wir ja eigentlich in Riesenbeck in unserer dortigen Stamm-Pizzeria 🍕 verbracht hätten, wollen wir uns die leckeren Gerichte gerne bringen lassen, doch das ist wegen Personalmangel leider nicht möglich > SCHADE 😕😕 Beim fünften Versuch bei anderen Lokalitäten haben wir endlich Erfolg 😀😀, die meisten wollen sich nicht darauf einlassen, uns das Essen hierher zu liefern, haben wir ja keine feste Adresse für die Liegestelle. Doch mit Hilfe eines Standortbildes kommt das Essen nach kurzer Zeit ohne Probleme bei uns an > SUPER 😋😋😋😋 Zum Abschluß gönnen wir uns noch einen Florida-Cocktail, mal etwas ohne Alkohol, den gab es dann aber noch anschließend ...
Der letzte Tag beginnt mit starken Windböen, die jedoch nach dem Frühstück abflachen, so können wir ohne Probleme ablegen und uns auf den Heimweg machen, es liegen ca. 30 km vor uns. Zwischenzeitlich gibt es auch einen Regenschauer, doch der hält zum Glück nicht lange an, passend zur Ankunft im Hafen ist es wieder trocken. So geht eine sehr schöne Tour zu Ende, bei der wir uns prima verstanden und vertragen haben (sehr wichtig, wenn man gemeinsam fährt!) und jede Menge Spaß hatten.





Ende Juli konnte das vorläufig letzte Arbeitsprojekt abgeschlossen werden:
die BetteLu bekommt ihre neue Persenning/Verdeck/Kuchenbude/... 😀👍😀👍
wie immer man es nennen möchte > EGAL ... Hauptsache NEU!!
Wir wissen nicht, wie viel Jahre die alte auf dem Buckel hatte, aber jährlich war sie in der Wintersaison zum Nähen und bekam teils neue Fenster, da sie brüchig waren. Bei Regen glich das Achterdeck einer Tropfsteinhöhle, sodass im Cockpit immer so einige Behältnisse für das eindringende Regenwasser standen ☔
Damit ist nun hoffentlich Schluss!!
Im April gab es nach dem Kranen einen ersten Besprechungstermin, wenig später wurde bei passendem Wetter ein Folienmuster erstellt, da waren wir aber leider nicht dabei 😕🤷‍♀️ Bei der ersten Anprobe dann aber schon. Die alte Persenning hatten wir an dem Tag schon zeitig entfernt und das Achterdeck bis auf die Backskiste leer geräumt, so konnten wir schön vom Grünstreifen aus zusehen, wie die NEUE erstmalig montiert wurde. Hier und da passte jedoch noch nicht alles, so dass sie wieder demontiert wurde, um sie nachzuarbeiten. Beim nächsten Termin, nur 3 Monate nach dem ersten Besprechungstermin war es dann soweit: Alles passt und wir sind bis jetzt sehr zufrieden. Besonders gefällt uns, das sie von außen schwarz ist, von innen jedoch hellgrau, das lässt den Achterdeckbereich entschieden heller und größer wirken. Eine weitere ganz tolle Veränderung ist ein Art Markise, die nach vorne geht. Sie soll uns vor Sonne und auch Regen schützen, denn wir fahren ja mit Blick durch das obere mittlere Persenningfenster, welches dann immer offen ist, meist sogar alle drei. Und durch die Sonneneinwirkung schaltete sich das Tablet immer ganz schnell ab, da es zu heiß wird. Was uns ebenfalls sehr gut gefällt, sind die eingeschweißten Fensternähte, die machen optisch einen ganz tollen Eindruck. Als Beispiel habe ich hier mal die Persenning von einem anderen Boot, da es da aufgrund der Farbe besser zu sehen ist. Nun können wir in ein paar Tagen beruhigt in den Urlaub starten und in Ruhe schauen, ob noch Verbesserungen oder Veränderungen sinnvoll wären, diese ToDo-Liste werden wir dann anschließend mit der Firma besprechen.


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Wie schon im letzten Jahr müssen wir kurzfristig unsere Urlaubspläne ändern, wenn auch aus anderen Gründen: geplant war eine Fahrt an die Lahn, die 70-seitige Tourmappe war in wochenlanger Arbeit von mir fertiggestellt, als der Wasserstand auf dem Rhein immer mehr fiel, so dass letztendlich die Sportboothäfen nicht mehr anzufahren waren. Bei einer Rheinstrecke von 200 km ist das durchaus ungünstig ...
Somit landet diese Planung erstmal in der Schublade und ich beginne im Turbotempo von vorne: wir holen jetzt die ursprüngliche Tour vom letzten Jahr nach > es geht in den Südosten von Berlin, zum wunderschönen Scharmützelsee, auf dem Rückweg ist auch eine Cityrunde durch die Hauptstadt geplant.



Tag 1: Fuestrup > Sportbootliegestelle Venne
>>> 76 km in 7,3 Stunden
Fahrzeit <<<

Morgens reisen wir noch von zuhause aus an, verstauen die letzten mitgebrachten Dinge, so dass es mittags bei sonnigen 30°C 🌞 los geht, beste Wetterbedingungen für fast Mitte August. Dank der neuen Markise (s.o.) haben wir im Cockpit trotzdem Schatten > SUPER.
Zunächst fahren wir auf dem Dortmund-Ems-Kanal Richtung Norden, unterwegs gibt es als Stärkung mitgebrachten Kuchen mit Marani-Tee 😋😋 Bei km 100 liegt der Hafen Dörenthe mit seinem alten Kulturspeicher. Das markante rote Backsteingebäude ist über 100 Jahre alt und diente früher als Getreidespeicher, dank der hier ebenfalls verlaufenden Eisenbahn und Bundesstraße gab es eine gute Verkehrsanbindung für den Weitertransport. Nach der gewerblichen Nutzung wurde er vernachlässigt und verkam zusehens. 30 Jahre später begann sein Besitzer im Winter in dem Gebäude Boule zu spielen, schnell kam die Idee, auf das Gebäude kulturell zu nutzen, doch dafür musste es saniert werden. 6 Jahre dauerten diese umfangreichen Arbeiten (gefördert wurden sie vom Land NRW), seit 2006 finden hier nun diverse kulturelle Veranstaltungen statt und man kann das Gebäude auch für Feierlichkeiten mieten.
Nach nicht ganz 3 Stunden Fahrt erreichen wir das Nasse Dreieck und biegen dort in den Mittellandkanal ein, von nun an geht es für die nächsten Tage immer Richtung Osten. Bei km 8 sehen wir ein uns bekanntes Schiff aufgebockt am Ufer stehen, es ist das Pratenschiff, das wir auf unserer Frühjahrstour gesehen haben (s.o.), da lag es allerdings noch im Wasser > an ihm sind wohl Reparaturarbeiten nötig. 2 Stunden später sehen wir bei einem Haus eine Fasssauna auf dem Balkon stehen, so kann man beim Schwitzen den herrlichen Blick auf den Kanal genießen. Ob das anschließende Abkühlen wohl in diesem stattfindet? Für uns geht es noch eine Weile weiter, das Abendessen nehmen wir ebenfalls während der Fahrt ein, so können wir mehr Strecke machen, denn wir wollen in den ersten Tagen die Hauptanfahrtsstrecke hinter uns bringen. Erst gegen 20 Uhr machen wir den Motor an der Sportbootliegestelle Venne liegend aus, das sind 17 km mehr als ursprünglich geplant 👍 Von hier haben wir einen schönen Blick auf den Sonnenuntergang und aufgrund der Temperaturen gönnen wir uns den heutigen Anlegeschluck auf der Badeplattform sitzend mit den Beinen im Wasser > PROST 🍸🍸

Tag 2: Venne > Schleuse Anderten Unterwasser
>>> 127 km in 12,4 Stunden
Fahrzeit <<<

Auch wir - als Langschläfer - können früh aufstehen: noch vor 6 Uhr klingelt der Wecker, ohne Frühstück erledigen wir das Pflichtritual > den Motorcheck und starten bereits um 06:15 Uhr die Maschine. Der morgendliche Dunst liegt noch auf dem Wasser,
die Sonne zeigt sich bald zwischen den Bäumen und färbt den Himmel, das man meinen könnte, es ist bereits Abend ... aber dafür haben wir noch zu wenig Strecke gemacht.
Ich begebe mich nun für eine Weile unter Deck, aber nicht um noch eine Runde zu schlafen, sondern um unser sogenanntes Skipperfrühstück vorzubereiten: es gibt belegte Brote, gekochte Eier, Tomaten, Gurke, Paprika und natürlich Getränke, das genießen wir dann oben im Cockpit während der Fahrt 😋😋
In Bad Essen hat sich das Südufer wieder weiter entwickelt: Wo bis 2019 der markante 35 m hohe und 1938 erbaute Speicher war, gibt es nun die Hafenpromenade mit Treppen bis zum Kanal hin und auch das griechisches Restaurant Iridos hat sich hier niedergelassen. Direkt an der städt. Marina leuchten auf dem Fangedamm durch die Sonne die bunten drehbaren Bad Essener Sitzblüten, von ihnen aus kann man entweder das Hafengeschehen oder die vorbeifahrenden Schiffe beobachten. Die Marina liegt direkt an der Hafenpromenade, die abends als Treffpunkt sehr beliebt sein soll, dadurch kann es hier schon mal laut zugehen, wie uns schon mehrfach berichtet worden ist. Optisch macht sie u.a. durch ihre
schönen langen Fingerstege einen guten Eindruck, sie ist jedoch zu allen Seiten frei zugänglich, es gibt keinerlei Zäune o.ä.. Wir persönlich übernachten gerne in Bad Essen, liegen jedoch lieber gegenüber an der Sportbootliegestelle. Der Vollständigkeit halber: es gibt am Nordufer auch noch den MYC Mittelland Bad Essen, aber auch hier haben wir noch nicht gelegen. Den ganzen Tag war bisher nicht viel Verkehr auf dem Wasser, im Bereich Minden ändert sich das, doch liegen hier die meisten Schiffe, überwiegend Berufsschiffer, seitlich an den Liegestellen, auch bei der Schacht- und der Weserschleuse ist heute kein Andrang. Da auch die Weserbrücke frei ist, können wir hier mehr auf der linken Seite fahren und haben einen schönen Blick auf die Weser (hier Richtung Norden), sie hat vom Bild her einen normalen Wasserstand, was auch durch die vielen Staustufen erreicht wird. Vielleicht sollte man den Rhein auch mit Schleusen versehen ...


Einige Zeit später werden wir von dem Berufsschiff TESSA überholt, warum er so dicht an uns vorbeifährt bleibt uns ein Rätsel: Gegenverkehr oder sonstige Einengung gab es nicht und soweit wie er aus dem Wasser schaut, hat er auch keinen großen Tiefgang ...

Danach haben wir gefühlt den Kanal wieder für uns alleine, die Ufer sind hier überwiegend schön grün bewachsen, man sieht keine Spundwände und oft liegen Wälder hinter den Wegen.
Schon weit vor Idensen sehen wir in der Ferne den großen Salzhügel vom ehemaligen Kaliwerk Sigmunshall liegen, unübersehbar erhebt er sich 120 m aus dem sonst flachen Gebiet, von den Bewohnern der Gegend wird er auch der Kalimandscharo genannt. Das Werk selber wurde nach 120 Jahren im Dezember 2018 geschlossen, da die Rohstoffe hier abgebaut waren.
Auch im Nordhafen von Hannover ist heute kein Betrieb, der in der Sonne leuchtende Kran wartet hier geduldig auf seinen nächsten Arbeitseinsatz.
Hinter der Kurve am Horizont liegt ein Segelschiff an der Liegestelle, es handelt es sich um eine junge Familie, die sich wahrscheinlich eine längere Auszeit nimmt und auf großer Tour ist. Dazu gehört eine Menge Mut, ist aber sicher auch eine einzigartige Erfahrung. Beim YH Hannover legen wir einen kurzen Zwischenstopp ein, um den sythetischen Diesel GTL zu tanken, er ist zwar sehr teuer (2,60€/Liter), soll aber gut für den Motor sein. Zum Übernachten bleiben wir jedoch nicht hier, denn dafür ist es uns mit 18 Uhr zu früh, lieber möchten wir noch die ungeliebte Schleuse Anderten hinter uns bringen, um dann im Oberwasser zu nächtigen. Bei der Schleusenanmeldung per Funk wird uns allerdings gesagt, dass es dort schon voll wäre, wenn wir oben angekommen nicht weiter fahren wollten, müssten wir im Unterwasser über Nacht bleiben. SCHADE, aber eine Weiterfahrt kommt wegen der dann bald einsetzenden Dunkelheit nicht in Frage. Also bleibt uns für heute der abendliche Blick auf den massiven Schleusenbau und in anderer Richtung auf den etwas anderen Sonnenuntergang, überwiegend verdeckt durch die hier vorhandenen Brücken.

Tag 3: Hannover > Sportbootliegestell Bergfriede
>>> 96 km + 2 Schleusen in 10,1 Stunden
Fahrzeit <<<

Wieder stehen wir um 05:30 Uhr auf, die Laternen im Unterwasser leuchten noch. Fix erledigen wir den Motorcheck und melden uns dann bei der Schleuse, zumal wir auf dem Monitor bereits einen Berufsschiffer kommen sehen. Und ja, auch die WILHELMINA möchte schleusen und wir dürfen mit rein in die 220 m lange Kammer (des Schreckens). Nach 20 Minuten haben wir den Hub von 15 m geschafft, hier geht es immer sehr schwungvoll hoch und es gibt leider keine Schwimmpoller 😕😕, bei vielen Sportbooten (auch bei uns) ist sie wegen des turbulent einstömenden Wassers nicht beliebt. Nach der Ausfahrt überholen wir den Berufsschiffer und können dann die Fahrt ohne unruhiges Wasser und mit freiem Blick genießen. Ich verziehe mich trotzdem bald wieder nach unten, um unser Skipperfrühstück vorzubereiten, das wir wie schon am Vortag oben im Cockpit einnehmen 😋😋 Nach 2 Stunden Fahrtzeit haben wir einen alten Bekannten
vor uns: der Frachter ANTON ist uns bisher täglich begegnet: erst am Nassen Dreieck, als er nach uns von Norden kommend in den Mittellandkanal einbog, dann gestern als wir ihn hinter Bad Essen überholt haben und nun kommen wir ihm wieder näher, so dass wir ihn bei Peine ein zweites Mal überholen. Beim Abzweig Stichkanal Salzgitter stehen Hinweisschilder: für uns geht es weiter geradeaus Richtung Berlin (248 km), die Hälfte unserer Anfahrtsstrecke haben wir hier ungefähr erreicht, doch werden wir schon vorher die Bremse ziehen und es ruhiger angehen lasssen. Beim Hafen Braunschweig liegen mehrere Leichter, die gerade von ihren Containern befreit werden
(antriebslose Ladebehälter, Vorteil: das Schubschiff kann während des Löschvorgangs andere Leichter durch die Gegend fahren), man muss also nicht bis Hamburg oder so reisen, um Containerschiffe zu sehen 😉 Während der "Hauptkapitän" Ludger auf dem Sofa ein Schläfchen macht, übernehme ich auch gerne mal das Steuer, man kann da schön bei abschalten. Die Papiere habe ich dazu, denn wir beide haben alle Scheine gemeinsam absolviert. Das Problem ist nur, wenn ich fahre sehe ich ständig Dinge, die ich gerne fotografieren möchte, das bleibt dann schon mal auf der Strecke. Aber diesen herrenlosen Stuhl habe ich trotzdem erwischt, der ist sicher bei einer Windböe ins Wasser geflogen. Da ich nun allein war, konnte ich ihn leider nicht rausfischen ♀️ Ebenso konnte ich die alte Eisenbahnbrücke bei Bechtsbüttel im Bild festhalten, sie stammt aus dem Jahre 1931 und ist 270 m lang. Auch heute noch fahren Züge über sie hinweg, doch leider nicht in diesem Moment. Ein Fußgänger- und Radweg verläuft da oben und man soll von dort einen sehr schönen Ausblick haben.
Ob wohl schon mal die vielen Nieten an ihr gezählt worden sind???
Kurz vor dem Abzweig Elbe-Seitenkanal kommen uns Container entgegen, sie sind wieder auf Leichtern gestapelt und werden wohl gerade nach Braunschweig oder auch zum 2019 eröffneten RegioPort OWL bei Minden gefahren. Hier schiebt der Schuber 2 Leichter vor sich her, auf dem Rhein haben wir schon 3  Leichter nebeneinander und 3 voreinander gesehen, also 9 Stück für einen Schuber, dafür wäre hier kein Platz. In die Schleuse Sülfeld können wir direkt mit einem Berufsschiffer und 2 weiteren Sportbooten einfahren. Obwohl wir auf dem Mittellandkanal Richtung Osten in Bergfahrt sind, geht es hier jedoch 9 m nach unten und das sogar mit komfortablen Schwimmpollern, zumindest in der neueren Südkammer.
In Wolfsburg liegt die Bahnstrecke und auch der Hauptbahnhof direkt am Kanal, hier flitzt gerade der grüne Flixtrain Richtung Osten an uns vorbei. Beim Bahnhof ist auch direkt am Kanalausgang eine Sportbootliegestelle, anfangs hört man noch jede Durchsage, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran und kann auch gut schlafen dort (getestet 2018). Am Nordufer liegt das große VW-Werk mit seinem imposanten Markenhochhaus, der VW-Zentrale, etwas zurück liegen die Werkhallen. Der Baukomplex mit den 4 Schornsteinen ist das VW-Kraftwerk (laut Bildern werden sie im Advent wohl entsprechend geschmückt). Danach liegt ein Hafenbecken mit einigen Freizeit-möglichkeiten, bevor man zu dem Forum der Autostadt kommt. An einer Erlebnisführung haben wir hier bereits >2018< teilgenommen, das war absolut interessant, auch wenn man kein Autonarr ist, auf jeden Fall seeeeehr zu empfehlen! Auf der südlichen Uferseite liegt der Geländeparcour, hier kann man u.a. mit dem Auto über Schrägen und Treppen fahren, sicherlich mal eine gute Erfahrung, auch Sicherheitstrainings werden angeboten. Im Anschluß an das riesengroße Werksgelände liegt die Volkswagenarena, sie wurde 2002 eröffnet und ist seitdem Spielstätte des VfL Wolfsburg ⚽, auch Wölfe genannt, 30.000 Zuschauer finden in ihr Platz.
Etwa 2 Stunden später machen wir bereits am frühen Abend an der Sportbootliegestelle Bergfriede fest, hier ist ein 35 m langer Gitterrost zwischen 2 Dalben befestigt, so das an beiden Seiten Boote hier festmachen können, auch einen Landzugang gibt es. Die Wassertiefe zur Uferseite beträgt laut Pegelanzeige noch 1,20 m, das reicht für uns. Da wir noch über 30°C haben, hüpfen wir erstmal ins Wasser und gönnen uns nach der langen Fahrt im kühlen Nass den verdienten Anlegeschluck 🍸🍸


Tag 4: Bergfriede > Sportbootliegestelle Parey
>>> 80,8 km + 2 Schleusen in 8,7 Stunden
Fahrzeit <<<

Nochmals heißt es früh aufstehen für uns, doch werden wir von der Landschaft und dem schönen Morgenlicht dafür belohnt. Auch ein Nutria (vielleicht auch ein Bisam oder Biber ...) zieht bereits seine Bahn durch das Wasser. Für uns geht es weiter Richtung Osten, vorbei an sehr dicht bewachsenen Ufern, man könnte meinen, der MLK wäre ein natürlicher Fluss. Bei km 286 kommen wir an dem kleinen Sportboothafen Calvörde vorbei, er liegt östlich des gleichnamigen Ortes am linken Ufer und bietet Platz für 26 Boote.
Ein Stückchen weiter sehen wir einen Berufsschiffer, festgemacht an einer Liegeestelle, bei dem das Vergnügen anscheinend nicht zu kurz kommt: er hat mit großer Wahrscheinlichkeit seine Kinder mit an Bord, denn hier gibt es neben dem auffällig aufgeblasenen Tukan auch noch ein Kinderfahrrad, ein SUP, einen (Whirl-)Pool und auch 2 kleinere Sportboote.
Bei Haldensleben führt eine relativ neue Eisenbahnbrücke über den Kanal, es ist die Trasse von Wolfsburg > Oebisfelde > Haldensleben > Magdeburg. Das Bauwerk erinnert mich an die Bilder, bei denen man Fäden um in Holz gehämmerte Nägel spannt ...
14 km weiter kreuzen reichlich Freileitungen den Kanal, sie kommen vom naheliegenden Umspannwerk Wolmirstedt.
Kurz darauf nähern wir uns dem Bereich der Elbeüberführung. An der Sportbootliegestelle der Schleuse Rothensee sehen wir einen Katamaran liegen, es wirkt, als läge er schon länger hier und hätte mal die Funktion einer Fähre bzw. Ausflugsschiffes gehabt ... Weiß da jemand mehr drüber?
Schauen wir nach Norden, bekommen wir wie schon bei Idensen einen Blick auf die 2 riesigen Abraumhalden des 1968 gegründeten Kaliwerks Zielitz, von den Anwohnern auch hier Kalimandscharo genannt. Laut der Werkshomepage ist es von der Abbaumenge her eines der modernsten und größten Kaliwerke weltweit. Zu erkennen ist sogar das lange Förderband, dass die Abbaureste der Salzgewinnung nach oben auf das Haldenplateu befördert. Es gibt auch Führungen, bei denen man mit ehemaligen Arbeitern zu Fuß eine der 120 m hohen Halden erklimmt und von oben dann einen wunderbaren Ausblick genießen kann, zusätzlich erhält man natürlich viele interessante Informationen aus erster Hand. Zielitz hat nun die Genehmimgung erhalten, seinen Kaliberg auf 150 m wachsen zu lassen, muss dafür aber auch entsprechende Umweltauflagen erfüllen. Auf einer der beiden Halden finden im Sommer sogar Theateraufführungen statt, die bei den Akteuren wie auch bei dem Publikum sehr beliebt sind. Die höchste deutsche Kalihalde liegt übrigens in Hessen, sie hat eine Höhe von über 200 m.
Für uns geht die Reise heute jedoch hier auf dem Wasser weiter:
es folgt die Fahrt über die 2003 fertiggestellte Kanalbrücke über die Elbe, sie hat eine Gesamtlänge von 918 m, 228 m davon verlaufen über die Elbe und die restlichen 690 m sind für die sogenannte Vorlandbrücke, so ist auch der Bereich überbrückt, der bei Elbehochwasser überflutet wird. Die Fahrwasserbreite beträgt 32 m, wodurch nur ein Einbahnverkehr zugelassen wird, diese wird über die Schleuse Hohenwarthe geregelt und gilt auch für Sportboote. Die Höhe über der Elbe ist so bemessen, dass dort bei Normalwasser noch Schiffe mit 3 übereinander gestapelten Containern fahren können. Von der Kanalbrücke aus sieht man in beiden Richtungen natürlich die Elbe fließen, im Moment ohne Schiffsverkehr, nach Süden blickend auch die viel befahrene A2-Autobahnbrücke Hohenwarthe.

Nach der Überfahrt heißt es für uns beim Sportbootwartebereich der gleichnamigen Schleuse festzumachen, dieser besteht aus der hohen und sehr groben Spundwand (wie auch schon bei den Wartestellen für die Elbebrücke). Nach kurzer Zeit kommt aus der südlichen Schleusenkammer ein Flusskreuzfahrtschiff gefahren, es ist die 82 m lange MONA LISA. Direkt danach fährt auch noch ein zweites Flusskreuzfahrtschiff aus der Kammer, es ist die 95 m lange ELBE PRINCESSE, wir haben sie bereits  >2018< im Plauer See gesehen. Eindrucksvoll wird sie von ihren 2 Schaufelrädern angetrieben, die mit einem Durchmesser von 4,60 m am Heck befestigt sind, zusätzlich hat sie 2 schwenkbare Bugstrahlruder. Damit war die Kammer gut gefüllt, denn sie hat eine Länge von 190 m, so blieben für die beiden Schiffe nur 13 m Platz für die drei Lücken (vorne - dazwischen - hinten) übrig ... Nach deren Ausfahrt müssen wir noch 1 Stunde hier ausharren 😕😕 Eine gemeldete Wetterwarnung vertreibt uns etwas die Zeit: wir montieren vorsichtshalber unsere Markise ab, wäre zu schade, wenn eine starke Windboen darunter packt und sie zerstört. So bekommen wir auch mehr Übung mit dem Handling von ihr, besonders beim späteren Wiederaufbau. Schließlich können wir mit den 3 anderen Sportbooten einfahren und werden nun 19 m nach unten geschleust, zum Glück gibt es Schwimmpollern 👍 Wieso UNTEN??? Wir sind doch in BERGfahrt!!! Ja, manchmal ist das halt aufgrund der hügeligen Landschaft so. Dann ist es soweit: östlich der Schleuse erreichen wir bei km 325,7 das Ende des Mittellandkanals, er geht hier direkt mit fortlaufender Kilometrierung über in den Elbe-Havel-Kanal (EHK). 20 km später erreichen wir das Oberwasser der Schleuse Zerben, hier verspricht das Schild einen Wartebereich von stolzen 75 m, das klingt sehr gut 👍👍 Schaut man jedoch genauer hin, bleibt nicht viel Anlegemöglichkeit für größere Sportboote übrig: ein Schwimmsteg von vielleicht 15 m Länge liegt an der vorhandenen Spundwand und weiter westlich geht es dann in eine Slipstelle über ... 😳😳
Da wir inzwischen allein unterwegs sind, passt es mit dem Steg für uns, kämen weitere Boote müssten sie bei uns als Päckchen gehen oder dümpeln. Lange müssen wir hier bei sonnigen 30°C nicht warten, dann können wir einfahren und es geht abermals 4,50 m runter, trotz Bergfahrt. Kurze Zeit später machen wir gegen 16:40 Uhr an der Sportbootliegestelle Parey fest, hier stehen uns Sportbooten echte 100 m Spundwand zur Verfügung. Aufgrund der Temperaturen gehen wir erstmal fix zur Abkühlung ins Wasser > HERRLICH. Danach müssen wir alles dicht machen, denn das gemeldete Unwetter mit Wind und Regen naht. Die Persenning hält dem Regen übrigens stand, das Cockpit ist KEINE Tropfsteinhöhle mehr > HURRA 😀😀 Zum Abendessen gibt es - ein letzten Mal - den bereits zuhause gekochten Reistopf, heute als Reissalat mit Heißwurst 😂😋

Tag 5: Parey > Plauer See ⚓
>>> 35,8 km + 1 Schleuse in 3,8 Stunden Fahrzeit <<<

Ein letztes Mal stehen wir früh auf und starten gegen 06:30 Uhr den Motor, leichter Nebel liegt noch auf dem Wasser. Bei wolkenfreiem Himmel und 17°C zeigen sich auf der noch ruhigen Wasseroberfläche wunderschöne Spiegelungen. Ich schnappe mir derweil den Pütz mit Wischer und widme mich ein wenig der Gangbordreinigung, da alles noch so schön feucht ist, geht das jetzt prima. Nach der nächsten Kurve ist der Nebel jedoch so dicht geworden, dass wir lieber an einer dortigen Liegestelle wieder festmachen, sie ist zwar nur für Berufsschiffe, doch in diesem "Notfall" sicher auch für uns erlaubt. Der Große hatte wohl das gleiche Problem, denn übernachtet hatte er auch an unserer Nachtliegestelle. Wir nutzen weiter die Zeit und putzen nun gemeinsam unsere Aufbauten. Nach nur 15 Minuten Liegezeit hat sich die Nebelwand verzogen und wir können wieder ablegen, die Sonne steht inzwischen auch schon höher. Auf den hinteren Persenningscheiben zeigen sich durch die runterlaufenden Wassertropfen und der Sonne-Schatten-Spiele sehr schöne Gemälde, die Optik erinnert an einen Duschvorhang ... In Genthin machen wir kurz an dem praktischen Lidl-Anleger fest, um nach 4 langen und heißen Fahrtagen mal die angesammelten Pfandflaschen loszuwerden und die frischen Vorräte aufzufüllen. Bei der Weiterfahrt fällt uns östlich des kleinen städtischen Sportboothafens ein für uns neuer Sportbootanleger auf, der auch gut angenommen wird. Auf dem weiteren Weg zur Schleuse Wusterwitz kommen uns kurz vor dem Oberwasser 4 Sportboote entgegen, doch leider wird uns trotzdem gesagt, dass wir erst am niedrigen Wartesteg festmachen müssen > SCHADE 😕 Doch können wir so die Zeit nutzen, die Markise wieder zu montieren, zum Vergleich hier mal ein Bild ohne und ein Bild mit Markise, der Cockpitbereich bekommt dadurch viel angenehmen Schatten.
Nach einer 45minütigen Wartezeit können wir nach dem Berufsschiff MARCEL mit in die Schleusenkammer einfahren und mit ihm die 4,50 m Hub runter schleusen, dieses Mal gibt es nur normale Festmacher in den glatten Wänden, ist aber kein Problem. Nachdem der eigentliche Hubvorgang abgeschlosssen ist, belege ich alle 3 Leinen der Steuerbordseite, so kann uns das Schwellwasser von dem Großen nichts anhaben, früher war das manchmal ein recht großes Gezerre. Kurz darauf biegen wir in den ersten See unserer diesjährigen Tour ein, es ist der Große Wendsee. Nachdem wir die Seegartenbrücke unterquert haben, erreichen wir den Plauer See und damit auch die Untere-Havel-Wasserstraße, hier treffen wir eine sehr gute Entscheidung. Eigentlich wollten wir bis hinter Brandenburg in die Havel Marin fahren, doch bei dem Anblick der Seen und dem herrlichen Wetter entscheiden wir uns um: wir werden hier bleiben und den Anker setzen ⚓ es ist zwar noch nicht mal 12 Uhr, aber es ist URLAUB und nach den letzten Tagen haben wir uns das mehr als verdient. Bei 30°C Luft- und 22°C Wassertemperatur geht es erstmal ins Wasser, danach zum Trocknen kurz in die Sonne 🌞 bei einem Florida Cocktail 🍹 lassen wir die Seele baumeln, lesen und machen auch ein Nickerchen. Abends gibt es Pellkartoffeln mit Heringsstipp 🍽️ und leckeren Rotwein 🍷 dazu haben wir einen herrlichen Blick auf den Sonnenuntergang.

Tag 6: Plauer See > Jungfernsee ⚓
>>> 45,5 km + 1 Schleuse in 5,3 Stunden Fahrzeit <<<

Den Wecker lassen wir heute mal aus, doch wach sind wir trotzdem schon zeitig, das ist halt die Folge der letzten Reisetage. Bis auf einen Berufssschiffer, der einsam den See kreuzt, ist alles noch ruhig. Wir haben genug Zeit und gönnen uns ein leckeres ausgiebiges Frühstück, erstmals nicht während der Fahrt, sondern in Ruhe am Tisch. Dabei fällt der Blick natürlich auch schon mal auf das Wasser, was wir da so sehen 👀 sieht gar nich schön aus: alles voller Bakterien 😕 sie sehen grün aus, heißen aber Blaualgen. Da hatten wir schon von gehört, sie entstehen gerne bei warmen Wetter/Wasser, in stehenden Gewässern und bei zu vielen Nährstoffen (z.B. durch Abwasser oder Überdüngung), zudem sind sie leider ungesund, weshalb man nicht darin baden sollte. Gestern waren wir jedoch im Wasser, durch die vielen Wasserbewegungen der vorbeifahrenden Schiffe war es uns gar nicht aufgefallen, vielleicht waren wir auch ein bisschen zu sehr im Modus Ich‑will‑jetzt‑nach‑den‑letzten‑Tagen‑unbedingt‑ins‑Wasser 🙈😳 Zum Glück haben wir eine Dusche an der Badeplattform, die wir auch genutzt hatten 🚿 und es geht uns noch gut 👍 Hoffen wir, dass sie sich in den nächsten Tagen/Wochen wieder auflösen und eine normale, dann ungefährliche Konzentration im Wasser einnehmen!! 
Nach dem Frühstück machen wir uns wieder auf den Weg, es geht durch den Silokanal rüber zur Schleuse Brandenburg, dort können wir ohne Wartezeit mit einem Berufsschiff und mehreren Sportbooten schleusen, es geht hier nur 2 m Hub aufwärts. Kurze Zeit später folgen wir der wunderschönen Havel, sie schlängelt sich hier durch die bewaldete Natur, zu beiden Seiten befinden sich Buchten/Nebenarme, in denen man prima ankern kann. Wir folgen ihr und überqueren mehrere Seen, an der Kreuzung mit dem Havelkanal und der Potsdamer Havel fahren wir geradeaus weiter, auf unserem Rückweg werden wir hier von Süden kommend wieder auf die Havel stoßen, doch noch liegt die schöne Zeit ja vor uns. Über den Sacrow-Paretzer-Kanal erreichen wir schließlich den Weißen See und haben über die Nedlitzer Südbrücke hinweg einen schönen Blick 👀 auf den Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg. Er wurde nach 2jähriger Bauzeit 1964 in Betrieb genommen und ist mit 212 m Bauhöhe das dritthöchste Bauwerk in Berlin. Im nachfolgenden Jungfernsee werfen wir am frühen Nachmittag wieder den Anker und genießen hier die Ruhe und das warme Wetter. Das Wasser meiden wir lieber, denn auch hier haben sich die Blaualgen breit gemacht 😕 lediglich die Füße lassen wir darin baumeln, während wir auf der Badeplattform sitzend unseren Anlegeschluck nehmen. Abends können wir lange vorne auf dem Vordeck sitzen, denn im Gegensatz zum Vorabend sind hier keine lästigen Insekten.



Tag 7: Jungfernsee > Berlin Tempelhofer Hafen
>>> 27,9 km + 1 Schleuse in 4,0 Stunden Fahrzeit <<<

Morgens gegen 10 Uhr ist es bei der Abfahrt zwar bewölkt, aber angenehme 23°C warm, wir fahren vorbei an der unübersehbaren Gasthausbrauerei Meierei im Neuen Garten. Kurz darauf erreichen wir die Potsdamer Havel und blicken von hier auf das Casino im Park Glienicke, dieser liegt am Ostufer dicht bei der gleichnamigen geschichtsträchtigen Brücke. Über ihr verläuft die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg, damals war es damit die Staatsgrenze zwischen der BRD und der DDR. Dreimal fanden auf ihr Agentenaustausche statt, der letzte im Jahre 1986. Steven Spielberg beschäftigte sich mit der Geschichte dieser Brücke und drehte 2015 u.a. mit Tom Hanks einen Kinofilm über den ersten Austausch. Nach der Durchfahrt sehen wir vor uns das Schloss Babelsberg aus dem Jahre 1833, über 50 Jahre diente es dem dt. Kaiser Wilhlem I. und seiner Familie als Sommerresidenz. Es liegt mitten in dem weitläufigen Park Babelsberg, der auch besucht werden kann. Leider sind die vielen Grünflächen durch den trockenen Sommer teils braun. Auch das Dampfmaschinenhaus (1845) ist nicht übersehbar, befindet es sich doch direkt am Wasser, ebenso das gegenüberliegende Jagdschloss Glienicke (teils von 1683). Die Gebäude und auch der Park gehören zum UNESCO-Welkulturerbe. Unsere Weiterfahrt führt uns zwischen den beiden letzten Gebäuden hindurch, inzwischen befinden wir uns hier auf dem Teltowkanal. Nach einem kurzen schmalen Stück wird der Kanal breiter, wir sind auf dem Griebnitzsee, auf Berliner Seite befinden sich dichte Wälder, auf Brandenburger Gebiet liegt eine Villa neben der nächsten, teils sind es alte, aber auch ganz moderne sind dabei. Viele von ihnen haben weitläufige Gärten mit Bootsgaragen und der Rasenroboter zieht hier und da seine Bahnen. Nach einem weiteren schmalen Stück kommen wir bei Kleinmachnow an einem originalen ehemaligen Grenzturm vorbei, was damals undenkbar war, ist hier jetzt ganz normal: links und rechts von ihm stehen Wohnmobile > er gehört zu dem CityCamp Süd und kann von seinen Gästen besichtigt werden. Kurz darauf erreichen wir die Schleuse Kleinmachnow, hier können wir direkt nach dem Berufsschiff MAT mit in die Kammer einfahren, viel Platz können wir nicht zu ihm lassen, doch sind wir darin ja geübt. Ein weiteres Gebäude aus älterer Zeit ist die ehemalige Teltowwerft, von 1924-1962 wurden hier Schiffe gebaut, inzwischen stehen die Bauten unter Denkmalschutz, doch erobert sich die Natur dieses Fleckchen Erde wieder zurück. Am Südufer ist 2019 ein neuer Hafen eröffnet worden: der Stadthafen Teltow. In der Vorbeifahrt macht er einen guten Eindruck auf uns, besondern die vielen Sonnenstühle des Bistros Kleine Freiheit fallen auf, hier kann man sicherlich gut mit einem Getränk den Abend genießen 🍷🍺 Der Kanal ist nicht viel befahren, hat aber durchaus einige unübersichtliche Kurven, also sollte man besser auf der eigenen Seite bleiben, denn es könnte ja doch mal Gegenverkehr kommen ... Bei unserem Vorausfahrer wäre das bald in Auge gegangen ...😲 Diesem Fischreiher ist das allerdings egal, kommt ihm jemand zu nahe, fliegt er halt davon. Wir erreichen bald darauf unser heutiges Etappenziel, den Tempelhofer Hafen. In einer freien Box festgemacht, müssen wir hier leider aufgrund der kurzen Fingerstege über die Badeplattform das Boot
verlassen, was zur Folge hat, dass unsere herausstehenden Davits über den Steg ragen. Zur Warnung für dieses Hindernis in Kopfhöhe hängen wir ein paar auffällige rote Schuhe daran. In dem ehemaligen Lagerhaus befinden sich viele verschiedene Geschäfte, so können wir hier prima unseren leeren Kühlschrank wieder auffüllen. Das Gebäude und die noch vorhandenen Portalkrähne stammen aus dem Jahre 1908 und auch die Gleise von damals sind noch vorhanden, selbst in dem Einkaufszentrum wurden sie architektonisch integriert > sehr schön 👍 Nachdem es über Tag wieder schwüle 33°C waren, gibt es am Abend Regen und Gewitter, die es erträglich werden lassen. Uns macht das nicht so viel aus, sitzen wir doch unter der neuen Persenning immer noch im Trockenen und haben zu dritt einen sehr schönen Abend, denn meine Schwester, die in Berlin wohnt, ist zu Besuch gekommen.

Tag 8: Berlin-Tempelhof > Krüpelsee ⚓
>>> 37,0 km + 1 Schleuse in 4,1 Stunden Fahrzeit <<<

Nach dem gestrigen Gewitter frühstücken wir morgens bei angenehmen 22°C und bewölktem Himmel. Auf der anderen Kanalseite sehen wir das große ehemalige Druckereigebäude Ullstein, es stammt aus dem Jahre 1927. Es wurde damals zum 50jährigen Firmenjubiläum erbaut und war die größte und modernste Druckerei. 1934 jedoch wird die jüdische Druckerfamilie enteignet, gedruckt wird in dem Gebäude weiterhin, erst von den Nationalsozialisten, später von der US-Militärregierung. 1952 bekommt die Ullsteinfamilie ihre Druckerei zurück, doch ein Großteil der Maschinen wurde im Krieg von den Sowjets demontiert, trotzdem läuft die Maschinerie wieder, jedoch nicht so erfolgreich wie zuvor, weswegen sie 1959 an den Axel Springer-Verlag verkauft wird. Dieser widerrum verkauft das Gebäude abermals weiter, so entwickelt sich mit der Zeit das ehemalige Druckereigebäude zu einem Geschäftshaus. Noch heute sind viele verschiedene Firmen und Geschäfte dort ansässig. Beim nächsten Besuch müsssen wir hier unbedingt mehr Zeit einplanen! Gegen 11 Uhr verlassen wir das Hafenbecken, schauen aber nochmals zurück auf das imposante alte Lagerhaus. Über den Teltowkanal geht es für uns weiter, bis er auf die Spree-Oder-Wasserstraße (SOW) stößt. Hier biegen wir nach Süden ab und sehen am Westufer gleich drei eindrucksvolle Wohngebäude: das BUWOG THE VIEW-Ensemble wurde im Jahre 2021 fertig gestellt und konnte bezogen werden. Das mittlere Gebäude besitzt vorgelagerte Balkone, die jedoch nicht direkt am Gebäude liegen, sondern wie schwebende Stege Abstand dazu haben. Ein Stück weiter südlich sehen wir das Ende von mehreren Regattabahnen und der dazugehörigen Zieltribüne, es handelt sich dabei um die 2 km lange Regattastrecke Grünau. Sie ist die älteste Sportstätte Berlins, die noch benutzt wird, bereits 1868 fand hier die erste offizielle Segelregatta und 1936 die Kanu- und Ruderwettbewerbe der Olympischen Spiele statt. In der Karte (Deutsche Binnenwasserstraßen 4) ist sie natürlich auch eingetragen und man erkennt gut ihre Dimensionen, gekreuzt werden darf sie übrigens nicht. An den Uferseiten gibt es wieder viele schöne Domizile, die einen direkten Wasserzugang mit eigenen Anlegern und Bootsgaragen haben und auch Vereinsgebäude der hiesigen Wassersportclubs liegen hier. Derweil wir hier der breiten, zur Zeit nicht viel befahrene Wasserstraße folgen, fliegen die ganze Zeit im wenige-Minutentakt die landenden Flugzeuge über uns hinweg, ihr Ziel ist der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER). Was für die Bewohner hier im Süden sicherlich seit Ende 2020 ein Fluch ist, ist für die Bewohner im Norden seitdem ein Segen, flogen sie früher ja über die Havel zum Flughafen Tegel. Ein Kleinod in diesem Bereich ist sicherlich die Insel Kleiner Rohrwall. Während der Große Rohrwall zu B-Grünau gehört, liegt diese im Bereich B-Schmöckwitz. Es ist heute ein Werktag, ich denke am Wochenende ziehen sich viele Berliner nach hierhin zurück und genießen die Natur, je nach Windrichtung sicherlich auch die Ruhe. Bald dauf biegen wir ab in die Dahme-Wasserstraße, sie führt uns weiter nach Süden und verbreitert sich nach kurzer Zeit in den Zeuthener See. Auch hier ist nicht viel Verkehr, am Wochenende oder auch zum Abend hin tummeln sich hier bestimmt viele Wassersportler, vornehmlich Segelboote ⛵⛵ Für uns ist es so entspannter 😉 haben letztere doch Vorfahrt gegenüber uns. Nach einer Bootsbetankung an einer günstigen SB-Tankstelle (später dazu mehr 🠋) kommen wir zur Schleuse Neue Mühle, hier machen wir kurz am Wartesteg fest, um die aktuelle Schleusung abzuwarten. Nachdem das Rundfahrtschiff FRITZE und weitere Boote die Kammer verlassen haben und die Straßenbrücke ihren Höchststand erreicht hat, können wir einfahren. Dabei stehen auf der Fußgängerbrücke einige Zuschauer, die die Vorgänge - wie bei vielen Schleusen - interessiert verfolgen 👀 diese Brücke hat übrigens eine angegebene DFH von 4,80 m, das passt für uns 👍 An der Südseite steht hier eine sehr schön gepflegte Schleusenbude, sie wird ebenso wie die Schleuse selbst aus dem Jahre 1869 stammen, damit gehört sie zu den ältesten Kammern im östlichen Deutschland, saniert wurde sie 1994. Das Wasser strömt hier schwungvoll durch die Schütze der Unterwassertore ein, also gut die Leinen festhalten 💪 Bei unserer Weiterfahrt durch diese sehr schöne Gegend sehen wir beim Beginn des Krüpelsees viele bunte BunBos bei ihrem Vercharterer an den Stegen liegen, sie werden im Großraum Berlin sehr gerne für den Tages- oder auch Wochenendausflug gemietet, zumal sie führerscheinfrei zu fahren sind. Dabei kommt es jedoch auch immer mal wieder zu brenzligen Situationen, da trotz des nötigen Charterscheins einiges an Backgroundwissen fehlt, auch wir haben das schon mehrfach beobachten können...
Für uns endet am östlichen Ende dieses Sees unsere heutige Reise, während Ludger den Anker fallen lässt, übernehme ich das Steuer für die Rückwärtsfahrt.
Anschließend gönnen wir uns passend zur Kaffeezeit den leckeren Johannisbeerkuchen, den meine Schwester uns am Vorabend mitgebracht hatte. Später zum Abendessen aktivieren wir erstmals auf dieser Tour unseren kleinen Grill 🥩 wie immer steht er auf der bunten Spritzschutzdecke 😂 dazu gibt es frisch zubereiteten Salat 🥗😋😋


Tag 9: Krüpelsee > Scharmützelsee ⚓
>>> 36,6 km + 3 Schleusen + 1 Fußgängerbrücke in 5,0 Stunden Fahrzeit <<<

Kurz nach 9 Uhr starten wir nach dem Motorcheck die Maschine und holen den Anker ein. Das Wetter meint es heute leider nicht so gut mit uns: es regnet ☔ dabei müssen wir doch wegen der Brücken den Geräteträger und damit auch die hintere Persenning legen. Zum Glück ist der Steuerstand selbst im Trockenen und Ludger kann sogar dank der Markise durch das ausgebaute Frontfenster nach draußen schauen (sonst saß er immer auf einem kleinen Hocker und schaute durch die feste Glasscheibe). Aber wir sehen bei diesem Wetter, wie schön das Wasser auf der neuen Persenning immer noch abperlt > SUPER 👍 Nach dem See fahren wir durch den Abschnitt Bindower Fließ, das teils schmale Gewässer schlängelt sich durch die waldige Landschaft, teils ist es auch Naturschutzgebiet. An manchen Stellen sieht man kleine Lichtungen oder es ragt ein einfacher Steg aus dem Dickicht, der sicher gern für eine Ruhepause genutzt wird. Nach der Überquerung des Dolgensees, der bei diesem Wetter kaum befahren ist, ereichen wir bei Dolgenbrodt den nächsten schmaleren Gewässerabschnitt, hier gibt es wieder Gartengrundstücke, die bis ans Wasser reichen, doch dieses Mal sind sie nicht auf Luxus getrimmt, sondern kleiner und einfach gehalten. Ich find sie herrlich natürlich und würde mich sofort wohl fühlen, man hat das Gefühl > hier wird nicht gezeigt, sondern gelebt 😍 Ein Stückchen weiter wird es dörflicher, es gibt mehrere offensichtlich private Anlegestellen, eine davon ist wohl von einem USA-Fan belegt, er hat sein Boot MOONSHINER mit den Stars and Stripes folieren lassen, eine andere ist mit unser kleineren Schwester STARGAZER belegt, es eine Succes 108 Ultra, unsere ist eine 115 Ultra. Ist jemand ein eingefleischter Camper und möchte doch gerne mal Wassersport betreiben, kann sich dieses Wokamo-Model mieten. Noch jemand anderes hat seine Badewanne angemalt und auf seinen Badesteg gestellt. Ihr seht, die Welt ist herrlich bunt und vielfältig 🌈
Kurz darauf verlassen wir die Dahme-Wasserstraße und biegen ein in die Storkower-Gewässer, auch hier wechseln sich größere Seen und schmale geschwungene Passagen ab. Nach dem Langer See am Anfang erreichen wir den sogenannten Sauwinkel, fragt mich nicht, wo der Name herkommt 😂  Der Fischreiher trotzt dem Regen und hält von seiner erhöhten Position Ausschau nach Fischen und Fröschen, doch auch Kleinnagetiere und Insekten stehen durchaus auf seinem Speiseplan. Für die Genießer unter euch hier ein Video von der Fahrt durch diesen wunderschönen Bereich, einfach mal wirken lassen ...
Was ja absolut selten ist, aber hier mal einmal eintritt, ist, dass wir die Schleuse Kummersdorf nach nur kurzer Wartezeit bei trockenem Wetter fahren können 👍 2 km weiter erreichen wir die niedrigste Brücke von diesem Gewässer, es ist die Philadelphiabrücke, angegeben ist sie mit 3,75 m, vorab ist einen Brückenpegel. Lange Zeit habe ich mich damit schwer getan, diese abzulesen 🤗 dabei ist es doch sooo einfach: die Zahlen, die GANZ aus dem Wasser schauen, geben die Durchfahrtshöhe an. In diesem Fall liegt sie somit bei ca. 3,70 m, passt für uns bei gelegtem Geräteträger, wie wir es ja schon den ganzen Tag haben. Die folgende Schleuse Storkow dürfen wir wieder im Regen ☔ durchfahren, müssen sie aber nicht mit der blauen (+ roten) Stange selbst bedienen, was hier auch möglich wäre. Die Fußgängerbrücke dahinter jedoch steht auf manuelle Bedienung, ist aber auch ganz simpel: Man fährt an dem Wartebereich die Stangen an und dreht die blaue um 90° zu sich, so wird die Öffnung der Brücke eingeleitet, ist sie ganz gehoben, wird sie per Licht- und Textsignal frei gegeben. Die rote Stange ist NUR für den Notfall, da wird der Vorgang gestoppt! Die letzte Schleuse für heute, die in Wendisch Rietz dürfen wir auch selbst bedienen. Bei einer Schleusung ist dieser Vorgang etwas erweitert: Am Wartesteg wieder die blaue Stange drehen, nach der Einfahrtsfreigabe fahren alle Boote ein, ist das LETZTE an seinem Schleusenplatz angekommen UND hat die Leinen gelegt, DANN ERST wird die blaue Stange in der Kammer gedreht, denn nun schließen sich die Tore und die Schleusung beginnt. WICHTIG > Eins der Boote muss in dem Bereich der Stangen liegen, um sie problemlos bedienen zu können! Wir legen uns nach Schleusung für eine Weile an den Anleger, stellen den Geräteträger wieder auf und schließen die Persenning, anschließend gehe ich noch fix zum nahe gelegenen Einkaufsladen. Nach kurzer Weiterfahrt erreichen wir den Scharmützelsee und suchen uns im südöstlichen Bereich eine geeignete Ankerstelle, die wir auch zügig finden, so dass wir gegen 16 Uhr den Motor ausmachen können. Das Wasser wird hier zum Glück nicht von Blaualgen dominiert, so dass wir erstmal schwimmen gehen > HERRLICH  🏊😀👍 Später gibt es Salat mit frischem Brot und anschließend lassen die Wolken das abendliche Sonnenlicht durch.

Tag 10: RUHETAG > wir bleiben am Scharmützelsee ⚓

Heute bleiben wir hier und lassen die Seele in dieser tollen Umgebung baumeln. Leider versteckt sich die Sonne überwiegend hinter den Wolken 🌥️ aber warm ist es trotzdem. Das Wasser wirkt dadurch nur nicht so grünlich klar wie vor >einigen Jahren<, als wir schon mal hier waren, aber rein gehen wir natürlich trotzdem 🏊 Ich schmeiße zurest den Rettungsring 🛟 vom Achterdeck hinein und springe dann selbst hinterher, das macht voll Spaß 😁 Ludger lässt es da ruhiger angehen und nimmt die Badeleiter. Wir pumpen auch unser SUP auf und drehen damit einige Runden 🏄 Nach dem Grillen am Abend lassen wir diesen schönen Tag bei Rotwein 🍷 und Sonnenuntergang ausklingen.

Tag 11: Scharmützelsee > Bindow Süd
>>> 30,6 km + 3 Schleusen + 1 Fußgängerbrücke in 4,2 Stunden Fahrzeit <<<

Heute werden wir dieses schöne Fleckchen Erde bzw. Wasser wieder verlassen. Bei einem ersten Blick nach draußen, es ist kurz nach 7 Uhr, liegt noch Dunst auf dem Wasser und alles ist ruhig, bis auf einen Frühschwimmer, der sich an der nahegelegenen Badebucht gerade ins Wasser begibt. Wir bereiten unser Frühstück vor und genießen es in dieser ruhigen Umgebung, um dann aktiv zu werden: Ludger holt den Anker wieder ein und muss dabei allerlei Unterwasserpflanzen von der Kette lösen, nach 2 Nächten hat sich da so einiges angesammelt. Schließlich kann ich im Bogen fahrend unseren Ankerplatz verlassen und auf Wendisch-Rietz zusteuern, vor der dortigen Schleuse müssen wir nur kurz warten, eh wir mit einigen anderen Booten zusammen einfahren können. Da wir als Erstfahrer ganz vorne zu liegen kommen, haben wir bei der anschließenden Weiterfahrt über die Storkower Gewässer einen schönen Blick auf das stille Wasser und seine bewaldeten Ufer. Schon bald erreichen wir den Großen Storkower See und wundern uns über viele dunkle Boote, die in der Ferne von der Seite kommend auf den See fahren und dann in voller Breite auf uns zu kommen. Ich gebe zu, dass mir in der aktuellen Lage (Russland > Ukraine) bei diesem Anbllick etwas mulmig wird ... Als sie näher kommen, schert ein Boot aus der Reihe aus und kommt mit wehender Flagge auf uns zu gefahren, er signalisiert uns, dass sie Steuerbord an uns vorbei fahren werden. Wir erkennen, dass in jedem Boot anscheinend auch Kinder mit orangenen Schwimmwesten sitzen - seltsam ... Bei der nächsten Schleuse klären uns andere Bootsfahrer auf: es handelte sich hier um das Informationstechnikbataillon 381, traditionsgemäß fahren sie jährlich am Einschulungstag die Erstklässler der Europaschule Storkow mit ihren Sturmbooten über den See, anschließend bekommen die Kleinen von der Bürgermeisterin noch ein Eis 🍨 Eine schöne Aktion, die den Kleinen sicherlich viel Spaß macht 👍 In Storkow angekommen müssen wir die Fußgängerbrücke durch Betätigen der Selbstbedienungsstangen für uns öffnen, um dann anschließend im Oberwasser der Schleuse festzumachen. Da es etwas länger dauern wird, machen wir den Motor aus > ein Fehler, wie wir leider noch feststellen werden ... Als wir später hätten einfahren können, springt er nicht wieder an 😲 Jaaaa, wir hatten manchmal Probleme, wenn er warm war und wieder gestartet werden sollte, er war dann bockig, aber
nach einer Weile kam er. Jetzt tut sich jedoch nix mehr, es klingt, als käme kein Diesel zum Motor. Wir geben grad den anderen Booten Bescheid, dass sie vor uns rein dürfen und kümmern uns um unser Sorgenkind 👀🔧Die Schläuche sitzen noch an ihrer richtigen Stelle und die Filter sind alle frei. Schließlich gibt Ludger dem Schleusenwärter Bescheid und fragt nach einem eventuellen Mechaniker hier in der Gegend. Nach kurzer Zeit bekommen wir die Kontaktdaten und telefonieren gleich, leider kann er uns nicht versprechen, dass er heute noch vorbei kommt 🤷‍♀️ Ärgerlich, aber wir machen das Beste daraus: mit Tee und Plätzchen machen wir es uns gemütlich und beobachten das rege Treiben vor der Schleuse. Langweilig ist es nicht, es kommen reichlich Boote, die schleusen möchten. Leider haben sich einige bereits am Beginn des Oberwassers in die Engstelle gelegt, so dass die nachfolgenden sich durchschlängeln müssen. Auch uns bekannte Boote kommen hier an: die Soldaten mit ihren Sturmbooten fahren an allen vorbei (inzwischen wieder ohne Kinder) und dürfen direkt in die Schleuse einfahren, einige von ihnen müssen jedoch wegen Vollheit auf die nächste Schleusung warten. Einer von ihnen ruft bei der Vorbeifahrt: "Wir sind Berufsschifffahrt und haben Vorrang" > so kann man es auch sehen 😆 Nach einer Weile ruft uns der Mechaniker nochmals an und sagt, er könnte doch noch kommen > HURRA 👍👍 Problem ist jetzt nur, wie kommt er an Bord, denn unser Warteplatz hat keinen Landzugang. Vor uns liegt der Segler JOBIGO, die beiden bieten sich netterweise an, dass sie uns rüber auf die andere Seite ziehen und das, obwohl sie nun in die Schleuse hätten einfahren können. Ein forsches Sportboot meint trotz unseres Manövers zur Kammer vordringen zu können, wird aber energisch von der Seglerin gestoppt ✋🗣️ auch schaltet der Schleusenwärter die Signale auf 🔴🔴 und hilft uns sogar beim Ranziehen und Festmachen. Als wir schließlich festliegen ist auch unser Mechaniker vor Ort und wir können unseren lieben Rettern nur noch aus der Ferne ein DANKESCHÖN rüber rufen, denn sie sind bereits in der Kammer angekommen und setzen ihren Heimweg fort. Sie sind unsere VORZEIGESKIPPER des Jahres!!! Für uns geht es nun mit Herrn H. an den Motor, einige mögliche Ursachenquellen kann er ausschließen, doch nicht das Problem selber lösen. Auf jeden Fall könnte der Motor irgendwo Luft ziehen und deshalb nicht anspringen. Schließlich greift er zu einem NOTmittel, was aber KEINE Dauerlösung sein kann: er spritzt während des Startvorgangs KURZ Bremsenreiniger in den Luftansaugstutzen, es wird für einen Moment laut und knatterig 🙉 aber der Motor läuft wieder > HURRA 👍 Er sagt uns, wir sollten noch bis Bindow weiter fahren und dort an seinem Steg übernachten, dann käme er morgens nochmals vorbei, um zu hören, wie alles geklappt hat. Nach dieser 4-stündigen Zwangspause dürfen wir bei der folgenden Schleusung direkt mit einsteigen, unser Mechaniker bleibt noch an unserer Seite, doch alles geht gut, der Motor darf dabei natürlich anbleiben 😉


Die wunderschöne Umgebung lassen wir während der Weiterfahrt auf uns wirken, sie strahlt so eine herrliche Ruhe aus. Beim Anmelden zur Schleuse Kummersdorf wird uns gesagt, dass es noch etwas dauern könnte, da sie auf ein Boot mit Motorproblemen warten würde, als wir sie aufklären, dass wir das sind, dürfen wir direkt rein und den Motor wieder dabei anlassen 😏 Nach Überqueren des Wolzigersees und des Langer Sees erreichen wir die Dahme-Wasserstraße, hier biegen wir ab nach Norden und erreichen nach dem Dolgensee die Gemeinde Bindow-Süd. Hier suchen wir eine Weile nach dem angegebenen Anlegeplatz, werden aber schließlich fündig. Es ist spät geworden, erst gegen 19 Uhr machen wir nach diesem langen aufregenden Fahrtag den Motor aus. Zur Ablenkung werde ich nach dem Essen noch etwas kreativ und setzte mit einer kleinen Lichterkette unser Steuerrad in Szene 😍


Tag 12: Bindow Süd > Zeuthener See ⚓
>>> 16,7 km + 1 Schleuse in 2,4 Stunden Fahrzeit <<<

Wie verabredet kommt zu 8 Uhr nochmals der Herr H. zu unserem Boot, er ist übrigens ein ehemaliger Bootsmechaniker, der als Rentner noch ein wenig weiter arbeitet, Anfragen kommen in diesem beliebten Fahrgebiet sicherlich häufiger vor. Als Möglichkeit für unser Problem vermutet er letztendlich einen Magnetschalter, der nicht mehr richtig öffnet, dieser sitzt in den Tiefen des Motorraums und beinhaltet auch eine Feder, die vielleicht nicht in Ordnung ist ... Nach einigen interessanten Erzählungen über seine Einsätze bedanken wir uns ganz herzlich bei ihm (und bezahlen ihn natürlich für seinen schnellen Einsatz) und setzen gegen 10 Uhr unsere Reise fort. Zu Beginn befahren wir, wie schon auf der Hinfahrt, den schönen schmalen Bereich des Bindower Fließ'. Hier kommt uns das Flusskreuzfahrtschiff MARYLOU entgegen, es ist 1953 gebaut worden und kann maximal 16 Passagiere mitnehmen. Oben auf dem Dach liegen mehrere Fahrräder, mit denen vor Ort Ausflüge gemacht werden können. Nach dem folgenden Krüpelsee erreichen wir die Schleuse Neue Mühle, hier sind wir wieder die ersten und müssen somit bis dicht vor die beiden Unterwassertore fahren, der Schleusenwärter sagt dabei an, wie weit. Außerdem möchte er gerne meine Bugleine haben, ich dachte, er möchte sie für mich um einen dicken Poller legen, der weiter weg steht. Aber nein, er legt sie um einen dünnen Metallstift, der seine Tür vom Bedinerhäuschen offen hält ... hoffentlich hält der 😲 unser Boot wiegt schließlich 10 Tonnen. Alles geht gut und wir können unsere Fahrt fortsetzen. Nach der Eisenbahnbrücke (vorläufig die letzte niedrige Brücke für uns) statten wir, wie schon auf dem Hinweg, der SB-Tankstelle Königs-Wusterhausen einen Besuch ab und tanken nochmals voll, bezahlen kann man hier übrigens nur mit der Karte in 80€-Schritten. Anschließend dürfen wir bei dem benachbarten Vercharterer noch unseren fast leeren Wassertank auffüllen. Bei Bedarf kann man kurzzeitig unter dem Kran festmachen, um dann in einem der beiden nahegelegenen Lebensmittelläden die Küchenvorräte aufzustocken, wir sind aber noch gut versorgt. Beim etwas weiter nördlichen SC Argo legen wir nochmals einen Zwischenstopp ein, denn wir wissen, dass unser liebes Seglerpärchen Birgit & Joris vom Vortag hier ihren Heimathafen haben. Das Boot liegt auch am Steg, vielleicht sind sie ja da, schauen wir mal. Personen sehen wir auf den ersten Blick nicht, doch da betritt jemand das Gelände, der uns weiterhelfen kann, denn die beiden sind in ihrer Gartenanlage direkt um die Ecke. Dort überraschen wir sie, halten einen kleinen Plausch und überreichen als Dankeschön ein lecker Tröpfchen 🍷 aus unserer Heimatstadt. Bei unserer Abfahrt machen sie noch ein Bild von uns, sooo liebe Leute 🙏 Nördlich von Rauchfangswerder lassen wir in der Bucht wieder den Anker fallen, das angestrebte Schwimmen gehen fällt leider aufgrund der immer noch vorherschenden Blaualgen aus 😕 Entschädigt werden wir nach dem gegrillten Abendessen mit einem mückenfreien Abend auf dem Vordeck, freiem Blick auf die vielen umherfliegenden Fledermäuse 🦇🦇 und einem schönen Sonnenuntergang hinter der Stadt Zeuthen.

Tag 13: Zeuthener See > Berlin ⚓
>>> 32,5 km in 4,0 Stunden Fahrzeit <<<

Gegen 8 Uhr stehen wir auf, der Himmel ist noch bewölkt bei 19°C, der See scheint noch zu schlafen, ganz ruhig liegt er vor uns ... und hinter uns ... und auch neben uns 😂😂 ja, so ist das beim Ankern, rundherum ist das Wasser > HERRLICH 😍 Passend zum See machen wir uns in RUHE fertig, frühstücken und starten nach dem Motorcheck um 10 Uhr den Motor. Über den Zeuthener See geht es weiter Richtung Norden und wir erreichen nach wenigen Minuten die Spree-Oder-Wasserstraße SOW, über diese gelangen wir nach nicht mal 1 km in die Wasserstraße-Seddinsee-Gosenerkanal, auch hier herrscht noch fast völlige Ruhe. Letzterer mündet in den Dämeritzsee, von diesem biegen wir nach Westen in die Müggelspree ab und gelangen so in die wunderschöne Siedlung Neu Venedig. Sie liegt nicht - wie der Name vermuten lässt - in Italien, sondern gehört zum Berliner Ortsteil Rahnsdorf. Bis 1926 waren hier sumpfige Spreewiesen, die aber dann durch künstlich angelegte Kanäle entwässert und in kleine Grundstücke aufgeteilt wurden. Diese konnte man damals käuflich erwerben und bebauen, jedoch gibt es hier bis heute kein dauerhaftes Wohnrecht, da es sich um ein Spree-Überflutungsgebiet handelt und somit dem Hochwasserschutz der Stadt Berlin dient.
Wenn wir uns aber einige der Bauten so anschauen 👀 fällt es uns schwer zu glauben 😈
dass es sich hier wirklich um reine Wochenenddomizile handeln soll ...
Die kleineren abzweigenden Kanäle sind übrigens nur für die Anwohner befahrbar. Begehrt ist diese Gegend auch bei den beiden gekoppelten BunBos sowie den vielen Mitfahrenden des uns entgegen kommenden Ausflugsschiffes SPREE. Nach der ca. halbstündigen Fahrt durch diese schöne Gegend ereichen wir den Großen Müggelsee, den wir als Motorboot nur innerhalb der Fahrrinne durchfahren dürfen. Direkt nach dem See liegt in einer Biegung die beliebte Eventlocation und Restauration Spree-Arche, sie ist nur über den Wasserweg zu erreichen, Gäste von Land werden hier nach Betätigen einer Klingel mit dem Floß abgeholt. Ein Stück weiter in Köpenick folgt gleich die nächste Location, es ist der über 100 Jahre alte holländische Zweimaster arsVivendi. Nach der Dammbrücke haben wir kurz einen Blick auf die Altstadt von Köpenick, doch ist diese nicht unser diesjähriges Ziel. Für uns geht die Fahrt nach Erreichen der SOW weiter nordwärts Richtung Berlin Zentrum, doch legen wir in Niederschönewalde an der Ufermauer eine kurze Pause ein, denn hier liegen direkt am Wasser 2 Lebensmittelläden und ein Getränkemarkt > immer sehr PRAKTISCH für uns Bootfahrer 🛒👍 Bei der Weiterfahrt fällt uns ein schöner alter Bau auf, es handelt sich um die Lagerhalle des ehemaligen Kabelwerks Oberspree, sie stammt aus dem Jahre 1897 und steht unter Denkmalschutz. Erbaut wurden sie aus gelben Klinkersteinen, dem sogenannten „Oberschöneweider Klinker“, dieser leuchtet schön in der Sonne, die sich heute erfolgreich den Weg durch die Wolken erkämpft hat 🌤️ Wenige Spreekurven weiter liegen älter und neu nebeneinander: zum einen von außen nicht so schön aussehende Mehrfamilienhäuser, doch können sie ein Fleckchen Erde mit Bäumen, Blumen und kleinen Bootsanlegern ihr eigen nennen. Direkt daneben folgt eine Neubausiedlung, die dagegen zwar freundlich hell, aber sehr steril wirkt, ganz ohne persönliche Note ... Einige 100m weiter scheinen einige Bootsbesitzer wild zu campen, vielleicht auch dort fest zu liegen und zu wohnen. Die WSP ist nicht weit von hier stationiert, doch sie scheinen es zu dulden. Für uns geht die Reise nun am Spreebogenpark Plänterwald vorbei, danach umrunden wir einmal die Insel der Jugend, denn wir wollten wohl in diesem Bereich übernachten. Doch es ist sehr voll, nicht nur an dem Anleger, auch ankermäßig sind hier viele kreative Eigner unterwegs, das hatten wir so nicht erwartet. Südlich der Insel Kratzbruch finden wir schließlich eine Lücke, in der wir den Anker fallen lassen können. Eine Weile beaobachten wir, ob es auch bei drehendem Wind nach allen Seiten passt, aber jedes Boot dreht sich ja ähnlich > passt also ⚓ Zur Insel muss übrigens Abstand gehalten werden, denn sie steht unter Naturschutz. Langeweile kommt hier auf keinen Fall auf, denn es gibt regen Schiffsverkehr und auf der hölzernen Batuga-Insel treffen mehr und mehr junge Leute ein, eine Party steht an, noch ist es ruhig ... Man kann sie wie auch kleinere verankerte Hausboote bei Batuga mieten, mit einem Tretboot gelangt man zu seinem Wunschobjekt.
Mit so einer lebhaften Ankerposition hatten wir hier nicht gerechnet, aber ich glaub, wir ziehen den Altersschnitt um einiges nach oben 😁 Wir unterhalten uns mit dem Eigner von dem kleinen Bötchen neben uns, das er zur Zeit komplett entkernt und anschließend neu aufbauen möchte. Eine mühselige Aufgabe, solch eine Aktion auf dem Wasser zu machen, aber so kostet keine Liegegebühr. Einen Logenblick haben wir auf die vorbeifahrenden Schiffe auf der Spree und auf das Zementwerk, in dem Ludger als Servicetechniker schon im Einsatz war. Die Nacht war übrigens ruhig, denn ab 22 Uhr gilt auch hier Nachtruhe 😴😴

Tag 14: Berlin > Hohengatow Lieper Bucht ⚓
>>> 31,7 km + 2 Schleusen in 4,1 Stunden Fahrzeit <<<






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Habt Geduld > der Alltag hat mich wieder,
da fehlt schon mal die Zeit zum Schreiben 💻
... aber es wird weitergehen 🌊🚢🌊