HERZLICH WILLKOMMEN!

Mit diesem Blog möchte ich gerne alle Interessierten einladen, an unseren Törns teilzuhaben.
Für Bootfahrer soll es eine Hilfestellung zur eigenen Törnplanung sein, wobei alle Hinweise sich immer auf das Jahr beziehen, in dem wir die Tour gemacht haben, d.h. sie werden nicht laufend aktualisiert! Für weiterreichende Anfragen stehe ich gerne zu Verfügung.
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Ihr findet mich übrigens auch bei Instagram unter @my_bettelu

Nun aber viel Spaß beim Lesen ... Gruß Bettina

Letztes Update: April 2022

2021 - statt in den Berliner Süden geht es in Ruhe durch das Ruhrgebiet incl. der Ruhr


Mitte Mai hängt die BetteLu wieder am Kran und wird in ihr Element abgelassen. Wir kontrollieren sogleich die Bilgen auf eventuell eindringendes Wasser > hier ist alles trocken, auch der Motor springt sofort an > so soll es ein 👍👍
Nur das Wetter lässt leider zu wünschen übrig, denn es regnet ☔
  Die erste Fahrt führt zu unserer Liegebox, hier kommt zunächst die Persenning an ihren Platz, so kann ich anschließend vor Regen geschützt das Achterdeck und später auch die gesamte Gangbord schrubben, nach dem langen Winter lohnt sich das. Ludger räumt derweil drinnen weiter auf. Auch der Ölwechsel steht auf unserer ToDo-Liste, dieses Jahr werden wir ihn erstmals selbst durchführen und es klappt prima, hätten wir auch schon eher machen können. 12 Liter zapfen wir ab und füllen natürlich auch ebensoviel wieder ein. Auch die Ölfilter werden von uns mit erneuert. Nun läuft der Motor wieder wie am Schnürchen 👍 Das Wassersystem steht ebenfalls auf unserer Liste: es wird teilgefüllt und mit Desinfektionsmittel vermischt, einen Tag darf es so wirken, dann durch alle Wasserhähne wieder abgelassen (so werden alle vorhandenen Leitungen gereinigt und gespült). Das gleiche Spielchen wiederholen wir noch zweimal, am Ende wandern 400 Liter frisches Wasser, vermischt mit etwas Konservierer, in die beiden Tanks. Diese sitzen übrigens unter unserem Bett, somit haben wir praktisch ein Wasserbett 😄😄
  Zur Belohnung dieser und noch einiger weiterer restlichen Winterarbeiten gönnen wir uns an unserem ersten Abend, den wir hier verbringen, ein leckeres Essen von unserem tollen Hafenrestaurant Zum Fährhaus, das kann ich nur empfehlen 😋😋 Bei Anes gibt es soooo köstliche Speisen auf den Teller und die Portionen reichen manchmal auch für 2 Personen. Zur Zeit dürfen wir es noch nicht bei ihm vor Ort genießen, aber unser Achterdeck ist ja nicht weit weg. Leider wird er Ende September das Restaurant schließen 😒😒 worüber seine Kunden alle sehr sehr traurig sind. Wir werden ihn auf jedem Fall in diesem Jahr noch öfters besuchen 😉 Wer weiß, was dann kommt ... hören tut man ja immer viel 👂👂 Einen Tag sind wir auf dem Weg zum Hafen mal eben bei dem Campergeschäft Berger vorbei gefahren, nur um zu schauen 👀, was die in ihrem Lädchen so schönes haben. Anschließend waren wir schlauer, dafür aber um so ärmer: hatten doch 4 Stühle, 2 Fußhocker und 2 Hänge-Schuhregale den Weg in den Einkaufswagen gefunden 😲😲 

Anfang Juni haben wir endlich Zeit für eine Minitour nach Osnabrück, das Übernachten ist zum Glück wieder erlaubt, selbst an den offenen Liegestellen war es untersagt gewesen. Bei schönstem Wetter 🌞 und neuer Beflaggung: SBV (Sportbootvereinigung), NRW ohne Emblem (mit ist nur für behördliche Dienstfahrzeuge!) und der Hafenflagge geht es los Richtung Norden. Nach kurzer Zeit gesellt sich eine kleine Bachstelze zu uns und fährt auf der Reling sitzend für eine Weile mit, dann sucht sie das Weite. Beim Nassen Dreieck biegen wir in den Mittellandkanal ab, dem folgen wir jedoch nur bis km 4, denn hier geht es in die Alte Fahrt zur Sportbootliege stelle. Mitten in der Natur liegt man hier sehr schön ruhig, den Schwell von den auf dem Kanal vorbei fahrenden Schiffen merkt man überhaupt nicht 👍👍 Lediglich auf der anderen Seite gibt es beim Hafen Ibbenbüren Rangierverkehr, der ist aber gut zu ertragen. Wir setzen uns
erstmal auf die Badeplattform und genießen mit den Füßen im kühlen Wasser, das total klar ist, den ersten Anlegeschluck in diesem Jahr. Später "schmeißt" Ludger den Grill an, ich bereite einen Salat dazu und wir verbringen einen sehr schönen Abend an dieser wunderschönen Liegestelle. 
Am nächsten Tag starten wir schon gegen 10 Uhr (für uns ist das früh 😉😊) die Maschine und fahren auf dem Mittellandkanal weiter Richtung Osten, viele Schiffe begegnen uns hier nicht. Bei km 30 biegen wir nach fast 3 Stunden Fahrt in den Stichkanal Osnabrück ab und folgen ihm bis zum Sportboothafen OMYC bei km 5,7, hier haben wir schon eher gelegen und uns immer wohl gefühlt. Nachdem unser Sohn noch zu uns gestoßen ist, testen wir das neue Hafenrestaurant No Name, es hat nach längerem Leerstand einen neuen Besitzer/Pächter. Hier gibt es nun u.a. leckere Burger auf der Karte, die wir uns auf der Terrasse schmecken lassen 😋😋😋 Den Abend verbringen wir auf dem Achterdeck - wo auch sonst 😉, genießen die Ruhe, den Ausblick ins Grüne und den folgenden Sonnenuntergang, aus der Ferne hören wir Froschgequake 🐸🐸 Den folgenden fahrfreien Tag starten wir ganz gemütlich: morgens spät frühstücken und am Nachmittag gönnen wir uns einen leckeren Cocktail 🍹
Ab und zu sieht man hier einen Berufsschiffer vorbeiziehen und die Schleuse Hollage ansteuern, dahinter geht es für sie weiter zum Hafen Osnabrück. Am Abend machen wir drei einen Spaziergang, dabei sehen wir ein Stück der alten Brücke Nr. 73, sie stand bis 2000 in der Nähe von Hollage und wurde teilweise als Denkmal neben der jetzigen Brücke 76 (der Hollager Straße) aufgebaut, um an die schöne alte Handwerkskunst zu erinnern.Spontan gehen wir weiter am Kanal entlang bis zur Schleuse, dieses sollten wir jedoch später bereuen, denn es fängt heftigst an zu regnen 🌧🌧, sodass wir völlig durchnässt am Boot wieder ankommen und für die nasse Wäsche eine Leine quer durch den Salon spannen müssen 👖👕👘
Am nächsten Tag machen wir uns auf den Rückweg, es geht den beschaulichen Stichkanal wieder zurück und biegen später nach Backbord (= links) in den Mittellandkanal ein (Richtung Westen). Während unsere Schuhe nach dem gestrigen Regenspaziergang auf dem Bug weiter in der Sonne trocknen, fallen uns am Nordufer schöne kerzenförmige blau-lila Blumen in der Sonne auf, die würden sich in meinem Garten auch gut machen 😊 Kurz darauf sehen wir auch einen recht großen Ameisenhügel, dem zum Schutz vor Zerstörung ein Käfig gebaut wurde. Die eiserne Jungfrau kommt uns auch noch entgegen, der Frachter IRON MAIDEN wird sicherlich oft fotografiert, denn es gibt auch die gleichnamige Metalband, die wir auch schon mehrfach live gesehen haben 🤘 Nach 3 Stunden erreichen wir wieder das Nasse Dreieck und biegen Richtung Süden in den Dortmund-Ems-Kanal ein, um nach 3 km an der Liegestelle Riesenbeck festzumachen. Hier sehen wir viele Wohnmobile stehen, die dank der niedrigen Inzidenzwerte auch wieder hier übernachten dürfen 👍👍
Am Abend schmeißen wir nochmals den Grill an und haben ein leckeres Mahl auf dem Achterdeck 😋😋

An unserem letzten Morgen machen wir uns bereits um 10 Uhr auf die letzte Etappe, das Wetter ist leider bewölkt und diesig. Graffitis an Bauwerken sind ja leider häufig, doch bei der Ladbergener Grenzbrücke fällt uns ein lustiges auf 😁😁 Nach 2,5 Stunden erreichen wir wieder unseren Heimathafen, da ist die erste Tour in diesem Jahr leider schon wieder vorbei, doch der Sommerurlaub steht ja schon vor der Tür 😎👍

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Unsere diesjährige Sommertour sollte eigentlch in den Berliner Süden gehen, der Scharmützelsee war geplant, doch haben wir uns schon vor einiger Zeit dagegen entschieden, da man nicht wusste, wie sich alles so entwickelt 😕😕 Total schade finde ich es, denn dort gibt es viele schöne Ankermöglichkeiten und meine Schwester, die dort wohnt, hätten wir nach 2 Jahren Zwangspause auch mal wieder gesehen > SCHADE 😕😕
So starten wir heute eine ganz gemütliche Tour durch das nahe liegende Ruhrgebiet
und lernen auch endlich mal die Ruhr selbst kennen. So sieht der Plan dazu aus:



Tag 1: Fuestrup > Lüdinghausen

Samstagsmorgens geht's los, unser jüngstes Kind Sam bringt uns zum Hafen und macht ein paar schöne Abfahrtsbilder von uns. Wir steuern Richtung Süden und müssen auf dem Kanal im Raum Münster derbe aufpassen, denn aufgrund des herrlichen Wetters befinden sich hier sehr viele Leute am und vor allem auch im Wasser. Manche sogar über dem Wasser, da sie auf den Brückengeländern auf den passenden Sprungmoment warten. Die neue Straßenbrücke für die Wolbecker Straße ist bereits Anfang Juni über den Kanal gelegt worden (mit 2jähriger Verspätung 🙈), befindet sich aber noch nicht an ihrer endgültigen Position. Über sie soll demnächst übergangsweise der Verkehr rollen, dann wird die alte Brücke demontiert, so dass die neue an ihre Stelle geschoben werden kann. Die Fertigstellung ist für Sommer 2022 geplant ... Im Stadthafen von Münster hat sich auch wieder etwas getan: die Osmohallen sind nun gänzlich verschwunden, mal schauen was in Zukunft hier entsteht, das gesamte Hafengebiet unterliegt noch einem ständigen Wandel, nur über eine gescheite gesicherte Hafenanlage spricht keiner 😕An der Venner Moor-Brücke waren die LACKAFFEN aus Münster mal wieder am Werk gewesen und haben die Brückenköpfe mit ihren tollen Graffitis verschönert, ich hoffe, sie bleiben lange so erhalten und nicht wieder von Laien beschmiert. Auf der Weiterfahrt kommt uns was Neues entgegen, nein es nicht der Silver Surfer 😂😂, sondern ein Mann auf einem eFoil oder auch Elektro Hydrofoil genannt, aber schaut selbst:

Das sieht schon cool aus 👍 es gibt doch immer wieder neue Ideen ...

In Lüdinghausen angekommen, haben wir noch genug Zeit selbst ins Wasser zu gehen, das ist eine herrliche Wohltat nach diesem heißen Tag 🏊🏊 Anschließend haben wir hier wieder unser obligatorisches Treffen mit meinem Bruder und seiner Frau und das schöne ist, die beiden bringen die vorab bestellte Pizza direkt mit. Unsere Sitzgruppe wandert dafür auf festen Boden, so lassen wir den ersten Abend in sehr netter Runde ausklingen, schließlich haben wir uns im letzten Jahr hier nicht sehen können.

Tag 2: Lüdinghausen > Castrop-Rauxel

Kurz vor Mittag starten wir die Maschine, die Sonne versteckt sich überwiegend hinter dichten Wolken, aber es sind 29°C und der Wind frischt auf bis 6 bft 💨Später reißt die Wolkendecke mehr und mehr auf, so dass wir die Kanalüberführung über die Lippe bei Sonnenschein befahren. Nur zu gut können wir uns noch daran erinnern, dass sie im Bau war und man sich über Funk melden musste, um sie zu passieren, denn die Begegnung von Schiffen war nicht möglich. Dafür gibt es vor dem Abzweig Wesel-Datteln-Kanal eine Engstelle, denn hier ist im Dezember eine neue Brücke montiert worden, an ihr wird zur Zeit noch gearbeitet. Sie ist Teil einer hier lang ersehnten Ortumsgehung für die Städte Datteln und Waltrop und hat einen schönen farbenfrohen Anstrich. Ob der Rundbogen auch noch bunt wird??? (Bild > Südansicht)
Für uns geht es weiter südlich an dem Schleusenpark Waltrop vorbei in den Rhein-Herne-Kanal, hier sehen wir das Restaurant Hölter direkt am Wasser liegen. Zu unserer Freude ist es bei dem schönen Wetter endlich wieder gut besucht, leider gibt es hier keinen Bootssteg > schade 😕
Ein paar km weiter liegt der große Sportboothafen AMC Castrop-Rauxel, hier machen wir in deren Emshafen am Gästesteg fest und haben einen schönen Blick über den Kanal. Zur Zeit ist hier so gut wie kein Schiffsverkehr, denn die zweite Schleuse (Wanne-Eickel) ist noch gut 2 Wochen gesperrt, weswegen wir unsere Tour links herum fahren werden. Den Anlegeschluck genehmigen wir uns wie schon am Vortag auf der Badeplattform und lassen unsere Füße im Wasser baumeln. Dabei sehen wir vielen vielen kleinen Fischchen  🐟🐟 zu, wie sie uns umschwärmen. Vielleicht sind es ja die bekannten Pukafischchen und wir haben anschließend supersanfte Füße 🦶🦶 ... 
Hiernach gibt es einen kräftigen Regenguss, doch anschließend klart der Himmel wieder auf und wir sehen zwar keinen direkten Sonnenuntergang, doch wird das gegenüberliegende Firmengebäude von den restlichen Sonnenstrahlen in ein sehr schönes Licht gehüllt und spiegelt sich in dem glatten Wasser.

Tag 3: Castrop-Rauxel > Waltrop

Am nächsten Morgen ist alles wieder dicht bewölkt und Regen ist gemeldet 😕. Wir nutzen den Vormittag um nach dem Frühstück die wunderbaren Sanitärräume aufzusuchen, sie wurden 2019 komplett saniert und der Verein darf zu recht stolz auf sie sein. Schaut euch mal den Vergleich an: links unser kleines Bad, bei dem man zum Duschen 2 Vorhänge zuzieht, aber könnt ihr euch vorstellen, wie die bei der kleinen Fläche an einem kleben 😲 > wir haben es noch nie probiert, zumal der Dunst längere Zeit brauchen würde, um wieder abzuziehen. Als Alternative hätten wir wohl eine Dusche an der Badeplattform ...Rechts dagegen die eindeutig bessere Wahl: es gibt 3 Möglichkeiten jede für sich ist SUPER. Man hat einen großen Vorraum und eine sehr geräumige offene Duschkabine mit normalem Duschkopf und sogar einer Regendusche 🚿 dazu ist es schön farbenfroh gestaltet 👍👍

Mittags gegen 13:00 Uhr legen wir bei Nieselregen ab und fahren zurück Richtung Norden, auf dem Wege kommen wir wieder an Henrichenburg vorbei und sehen, dass unser Lieblingsplatz sogar frei wäre, doch hierher kommen wir erst am Ende unserer Tour > hoffentlich ist er dann auch frei!!! Man hat von dort einen herrlichen Blick auf das Alte Hebewerk aus dem Jahre 1899. Durch die Alte Schachtschleuse von 1914 läuft heute gut sichtbar ein Fußweg hindurch, ein Stück weiter nördlich liegen dann noch die beiden letzten hiesigen Bauobjekte: das Neue Hebewerk von 1962 (links) und rechts die aktuelle Großschleuse aus dem Jahre 1989.
Nach nur 11 km bzw. 90 Minuten Fahrt biegen wir in den Datteln-Hamm-Kanal ab, um dort bei km 1,9 beim YH Ribbrock außen an der Spundwand schon wieder festzumachen, denn heute Abend gehen wir in dem dortigen Steakhaus Yachthafen lecker essen 😋😋 Obwohl wir meinen Bruder mit Frau erst vor 2 Tagen zu Gast an Bord hatten, treffen wir< uns heute hier mit ihnen schon wieder. Damit sie unsere BetteLu überhaupt finden, rupfe ich erstmal am Einstieg das Unkraut weg. Das Lokal hat über die Coronazeit nichts an seiner Qualität verloren, wir sind wie schon bei den Vorbesuchen sehr zufrieden hier. Den Abend lassen wir anschließend bei noch 1 oder 2 Bierchen an Bord ausklingen 🍺🍻

  Tag 4: Waltrop > Datteln

Nach dem schönen Abend starten wir morgens kurz vor 11 Uhr die Maschine bei nur 15°C 😲, eigentlich sollten solche Temperatur bei der Sommertour nicht vorkommen! Es geht zurück zum Dortmund-Ems-Kanal, dort legen wir in der Liegestelle Datteln einen kleinen Zwischenstopp ein, für max. 48 Stunden dürfen wir als Sportboot hier liegen bleiben. Zu Fuß geht es zum Netto auf der anderen Seite, denn die schwindenden Vorräte müssen aufgefüllt werden, auch Grillfleisch und Salat für heute Abend landet im Enkaufswagen. Zurück am Schiff wird alles fix verstaut und die Reise geht weiter 🚢
Nur 800 m weiter nördlich biegen wir in den Wesel-Datteln-Kanal ein und machen zu Anfang am Wasserwanderrastplatz Dattelner Meer fest. Damit haben wir heute die wohl kürzeste Etappenstrecke überhaupt zurück gelegt: ganze 4,1 km waren es nur 😁😁
Hier, am größten Kanalknotenpunkt Europas, liegt man herrlich:
einerseits mitten im Grünen bei den quakenden 🐸🐸, gleichzeitig direkt vor den beiden Dattelner Schleusenkammern und man hat einen Logenblick auf die vielen kleinen und großen Schiffe, die vom Dortmund-Ems-Kanal kommend nach hier einbiegen, so auch z.B. der lange Koppelverband ELEGANCE. Durch die temporäre Engstelle aufgrund der noch nicht fertigen neuen Brücke ist das ein längeres Manöver für ihn. Leider beginnt bald ein unschöner Nieselregen, der schließlich in Dauerregen übergeht, aus unserem geplanten Grillen wird daher nix, somit kommt das gekaufte Fleisch in die Pfanne - schade, aber lecker war es trotzdem 😋😋
Abends sitzen wir beide unter einer kuscheligen Decke auf dem Achterdeck und schauen auf das Wasser, es regnet immer noch > wir fühlen uns wie auf der Herbsttour, hoffentlich ändert sich das Wetter noch wieder ...

Tag 5: Datteln > Flaesheim

Morgens scheint die Sonne wieder, nur einige Wolken versperren den Strahlen manchmal den Weg zu uns, doch um 10 Uhr sind es trotzdem nur 14°C. Von unserem Liegeplatz aus können wir direkt die Schleuse anfunken und so passend ablegen, wenn wir dazu aufgerufen werden. Das dauert zum Glück nicht lange 😀 nachdem der Tanker MAIN-TAUBER die kleinere Südkammer verlassen hat, können wir hinter der 63 m langen TRAMP einfahren. Die Kammer ist 112 m lang, so bleibt genug Platz für uns bei der Schleusung, es geht hier 7,50 m abwärts. Der Vorteil der kleinen Kammer sind die Tore: wie man auf dem Bild sieht, gibt es bei der rechten neueren Kammer große Bauwerke, dort werden die Schleusentore nach oben gezogen und tropfen dann bei der Durchfahrt, so hatten wir schon mehrfach unschöne braune Flecken auf dem Boot. Diese Tortechnik haben glaub alle neueren Schleusen am Wesel-Datteln-Kanal.
Auch die Schleuse Ahsen können wir ohne Wartezeit mit dem TRAMP durchlaufen, ebenfalls in der älteren Kammer 👍Während der Weiterfahrt gesellt sich mehrmals eine kleine Bachstelze zu uns, mal sitzt sie auf der Reling, mal auf dem Handlauf oder auch vorn auf dem Flaggenstock. Zum Schluß zeigt sie dankend für die Gratisfahrt ihr Hinterteil und fliegt davon 😂
Nach fast 2 Stunden Fahrzeit endet die heutige Fahrt mittags in der schönen Marina Flaesheim, sie liegt in der Zufahrt zu einem Baggersee. Wenn man passend anlegt, hat man einen schönen Blick auf dasgrüne Ufer der gegenüberliegenden Seite.

Tag 6: Ruhetag in Flaesheim

Nach einem stärkenden Frühstück mit leckerem Spiegelei packen wir unsere neue Errungenschaft aus: ein SUP-Bord 🏄😀👍 Kurz vor dem Urlaub bekamen wir von Freunden den Tipp, dass ein Supermarkt sie zur Zeit online im Angebot hat. Zur Info: Vor kurzem waren sie als Aktion in deren Prospekt, doch obwohl ich noch vor Ladenöffnung da war, klappte es nicht mit dem Kauf: ich stand als zehnte in der 🛒🛒🛒 Schlange und im Regal lag dann nur ein einziges 😦
😒 ECHT ENTTÄUSCHEND 😒
Nun haben wir es Mittwochsnachts online bestellt und am Freitagmorgen wurde es schon geliefert 📦 😀😀 - einen Tag vor der Abreise > SUPER 👍👍👍 Wir pumpten es auf und siehe da, auf dem Rasen klappen die Übungen schon ganz gut, an der Haltung kann allerdings noch etwas gearbeitet werden 😂😂 An Zubehör ist übrigens so einiges dabei: Pumpe, Paddel, Fußfessel, Flickenbox, Sitz mit Fußstütze, kleiner Rucksack und großer Rucksack, wo alles rein passt.
Jetzt aber zurück zum Urlaub:
Nach dem Aufpumpen, was total fix geht, aber schon anstrengend ist, montieren wir auch den Sitz mit der Fußstütze. Die erste Fahrt machen wir gemeinsam: ich sitze vorne und Ludger paddelt mich über den See. Anschließend übt jeder für sich: mal sitzend, mal kniend und dann auch stehend. Das klappt prima, keiner von uns beiden fällt ins Wasser. Es war zwar einmal knapp, als Ludger kniend unterwegs war und sich aufstellen wollte, aber er sich im letzten Moment doch noch retten konnte > schon gekonnt 👍👍 Nach diesen sportlichen Einlagen haben wir eine Pause verdient, in der wir uns einen Florida-Cocktail und Plätzchen schmecken lassen. Dabei können wir beobachten, wie viele viele abgeholzte Baumstämme von CONNIE aus dem hinteren Baggersee weggefahren werden. Dort gewinnen die Quarzwerke Sand, der zurzeit sehr gefragt ist, so dass sie weitere Flächen für die baldige Gewinnung vorbereiten. Kurze Zeit später werden 2 leere< Leichter von EDMUND zum See gefahren, auch sie werden entweder mit weiteren Baumstämmen oder auch dem gewonnen Sand beladen.
> > >  DER SEE IST ÜBRIGENS ABGESPERRT UND DAS BEFAHREN VERBOTEN  < < <
Für mich gibt es heute noch eine spezielle Aufgabe: unsere Persenning ist schon älter (wir wissen gar nicht wie alt) und jedes Jahr im Winter werden wieder einige Nähte oder auch Reißverschlüsse erneuert, in der letzten kalten Saison sogar die Fenster der Backbordseite. Nun ist an einer der Frontscheiben eine Naht aufgeplatzt, also sitze ich geschlagene 2 Stunden daran und muss sie mit Zwirn nachnähen. Da der Stoff sehr fest ist, schütze ich meinen Zeigefinger dabei mit einem Fingerhut, der aber leider nur aus Plastik besteht - hoffentlich hält er die Belastungen aus, sonst steckt die Nadel gleich in meinem Finger 😱😲 Er hat gehalten, aber einer aus Metall wäre hier angebrachter! Übrigens planen wir in naher Zukunft, die Persenning komplett erneuern zu lassen.

Tag 7: Flaesheim > Hünxe

Heute wollen wir rüber nach Dorsten an die Sportbootliegestelle Altstadt, da haben wir schon mal gelegen., man liegt dort direkt vor dem Einkaufszentrum > prima für Bootsleute zum Einkaufen 🛒👍 Um 10 Uhr verlassen wir bei etwas bewölktem Himmel und 17°C  die Marina Flaesheim. Nach nur 2 km erreichen wir die erste Schleuse, hier können wir zusammen mit der MOKUM in die Kammer einfahren, es ist wieder die ältere Südkammer ohne tropfende Hubtore 👍 Obwohl die Kammer 110 m lang ist und der Berufsschiffer 85 m misst, kommen wir mit unseren fast 12 m dicht an ihm zu liegen, das kann bei der Ausfahrt turbulent werden, wenn er seine Maschine anwirft und die Verwirbelungen uns von der Wand wegdrücken. Deswegen belegen wir inzwischen bei Öffnung des Ausfahrttores > UND ERST DANN!!! < die Klampen, damit unser Boot fest liegt und wir nicht so an den Leinen ziehen müssen, was auch gefährlich sein kann, seitdem ist die letzte Schleusenphase viel entspannter 👍 Wer mal genau hinschaut, kann auf dem Heck der MOKUM einen schönen Oldtimer sehen, ich hab es aber auch nochmals vergrößert. Ludger hat mal gestöbert: es handelt sich um einen niederländischen Burton Classic 435, das ist ein Retrobausatz aus dem Jahre 1985, unter seiner Haube befindet sich ein 2CV6-Motor, den die meisten von uns wohl kennen > das ist der aus der legendären Ente.Weiter geht es Richtung Westen durch den Wesel-Datteln-Kanal, vorbei an schönen grün bewaldeten Ufern. Doch nach 10 km wird es industriell, wir kommen an dem Chemiepark Marl vorbei. Er ist einer der größten Chemiestandorte Deutschlands, der größte Teil der 6 km² liegt südlich des Kanals, 10.000 Mitarbeiter verdienen hier ihr Geld. Mitten in diesem Gelände entdecke ich dann eine ganz tolle Brücke, also dieser Name ... einfach schön 😍 OELDER BRÜCKE 😍 einfach herrlich ...
Für die, die es nicht wissen, wir sind beide gebürtige Oelder und wohnen immer noch in diesem schönen Ort. Diese Brücke hier ist eine wichtige Hauptverbindung für den internen Straßenverkehr. Beim nächsten Mal gibt es auch ein Bild der Brücke selbst, versprochen, aber ich kann schon sagen, sie ist aus Stahl und BLAU.
Zusammen mit der MOKUM können wir direkt in die Schleuse Dorsten einfahren 👍, auch hier geht es wieder in die ältere Südkammer. Im Gegensatz zu den anderen hat diese aber glatte Wände, da können sich die Fender nicht in den Spundwänden verstecken, ich hänge sie dann mit der zweiten Leine schon immer als Querfender auf. Es geht auch hier herunter, der Hub beträgt 9 m und das mit Einzelpollern, also immer schön die Leinen umlegen. Bei der Ausfahrt habe ich mal ein Bild von dem unruhigen Wasser gemacht, die Wellen von der MOKUM laufen gerade auf unsere BETTELU zu, es ist dann aber doch nicht so wild 👍 In Dorsten wollten wir ja eigentlich übernachten, doch die Sportbootliegestelle ist wegen Bauarbeiten an der Brücke nebenan gesperrt, für ein schnellen Einkauf im direkt daneben liegenden Einkaufscenter geht es aber. Da es so nah ist, kann man sogar mit dem Einkaufswagen bis zum Boot ran fahren > SUPER, da besorgen wir uns doch gleich neben anderen schwereren Dingen auch eine neue Kiste Bier 🍺👍 Somit geht es weiter durch das Naturschutzgebiet Hohe Mark Richtung Schleuse Hünxe, auch hier werden wir in die Südkammer geschickt, durch unsere Dorstenpause jedoch nun mit dem Berufsschiff FEIVEL und einem weiteren Sportboot. 100 m westlich der Schleuse liegt noch im Unterwasser der lange Steg des Wasserwanderrastplatzes Hünxe, dort machen wir für die Nacht fest. Es ist ein schöner langer robuster Betonsteg (wir liegen hier zu 5 Booten) mit Landgang, also gibt es morgen früh mal wieder leckere frische Brötchen 😋 Doch zunächst steht das Abendessen auf dem Plan: Ludger "schmeißt" wieder unseren kleinen Grill an und ich bereite einen frischen Salat dazu > Guten Appetit

Tag 8: Hünxe > Wesel

Heute haben wir strahlend blauen Himmel 🌞 das perfekte Wetter zum Bootfahren, besonders wenn es auf den Rhein gehen soll. Unser Vordermann ist schon früh los gefahren, so haben wir freien Blick und um nach 11 Uhr auch ein völlig einfaches Ablegen 😉Die Passage zieht sich weiter an den von Bäumen dominieren Ufern lang, als es plötzlich adelig 👑 wird: der 110 m lange Gastanker SCHLOSS WINDSOR kommt uns entgegen, da machen wir doch mal schnell einen Knicks 😂😂
In Friedrichsfeld sehen wir am Südufer eine Lok 🚂 stehen: es handelt sich um eine Kleinlok aus dem Jahre 1960 vom Typ Köf II von der Firma Jung. 30 Jahre lang hat sie als Rangierlok ihre Dienste geleistet, eh sie dann letztendlich hier ihren "Rentenplatz" als Köf 6784 mit Namen Isabell bekam.Bei der Schleuse Friedrichsfeld müssen wir einen Moment warten, so kann ich die Zeit nutzen um überall zu schauen, ob alles passend für eventuelle Wellen verstaut ist, es wäre ärgerlich wenn Dinge umfallen oder gar kaputt gehen, weil man sie nicht gesichert hat, so landet wieder so einiges z.B. im Wasch-/Spülbecken oder auch in den Schränken. Auch an dieser 6. Schleuse des WDK können wir in die alte tropfreie Kammer einfahren > HURRA 😀😀 Bei diesem letzten Hub erreichen wir das Rheinniveau, jetzt sind es nur noch 1,8 km bis zu dem großen Strom. Am Zusammenfluss dieser beiden Gewässer steht auf der Landzunge zwischen dem Kanal und dem Hafen Emmersum seit 1958 (evtl auch 1965) der Schiffermast Emmersum, dieser ist 24 m hoch und wurde damals vom Schifferverein Rhein-Lippe-Kanal errichtet. Von dort soll man einen herrlichen Blick über die Gegend haben. Die Stelle ist als Ausflugsziel für Fußgänger und Radfahrer sehr beliebt, mit dem Auto kann man ihn jedoch nicht erreichen. Hier, von den letzten Metern Wesel-Datteln-Kanal, hat man bereits einen schönen freien Blick auf die Niederrheinbrücke von Wesel, sie wurde 2009 fertig gestellt und feierlich eröffnet, über diese Schrägseilbrücke verläuft die vierspurige B58 und beidseits Fußgänger- und Radwege. Der Pylon, an dem die Drahtseile befestigt sind, hat eine Höhe von 130 m. Kurz hinter der Brücke steht am rechten Ufer der Pegel Wesel, er lässt sich super ablesen und zeigt den Wert 415 an. Das ist jedoch nicht die Wassertiefe, sondern es gibt eine Formel, aus der dann eine garantierte Wassertiefe von 5,18 m resultiert, das reicht für uns locker 👍 Seit wir auf dem Rhein unterwegs sind, hat sich unsere Geschwindigkeit übrigens von 10 km/h auf 15 km/h erhöht, er fließt somit mit 5 km/h. So flott sind wir selten. Gleich hinter der Niederrheinbrücke sieht man am linken Ufer die Überreste der denkmalgechützten Eisenbahnbrücke (morgen dazu mehr) und kurz danach biegen wir schon am rechten Ufer in die Hafeneinfahrt der Weseler Yachthäfen ein, es sind hier von West nach Ost folgende Vereine beheimatet: RTGW - WSK - WSK (Kanuclub mit Restaurant) - YC. Wir entscheiden uns, wie schon 2016, für den Yachtlub Wesel, das sind die letzten beiden Stege, die mit den ehemals roten Dalben. Am frühen Nachmittag können wir bei bewölktem Himmel am Gästesteg festmachen und melden uns bei der netten Hafenmeisterin an. Da direkt neben den Häfen der Flugplatz Wesel-Römerwardt liegt, geht der Landeanflug der Segelflieger direkt über das Hafenbecken.

Abends lockert sich die Wolkendecke, so dass wir einen guten Ausblick auf den schönen Sonnenuntergang haben.

Tag 9: Ruhetag in Wesel

Wir legen wieder einen Ruhetag ein und machen nach dem Frühstück bei schönem Wetter einen Spaziergang zur Rheinpromenade. Hier bei dem Gewässerschild  fällt im Vergleich zu Ludger auf, wie groß die Beschilderung am Rhein ist, muss sie ja auch aus großer Entfernung gelesen werden können. Das  Schild markiert einen halben Kilometer, an dieser Stelle z.B. für 815,5 km. Ein paar Schritte weiter südlich liegt das Ausflugsschiff River Lady an seinem Anleger und wartet auf seine nächste Fahrt mit Passagieren, laut Schild ist um 13:00 Uhr die nächste Fahrt angesetzt. Es wurde 1970 erbaut, jedoch erst 1979 nach Originalplänen zu einem Mississippi-Dampfer umgebaut und auf den jetztigen Namen umgetauft. 10 Jahre war es zunächst im Bereich Mittelrhein unterwegs, eh es 1989 nach Wesel kam. Nach einer erneuten Renovierung versieht es seitdem seine Dienste hier am Niederrhein. Fast 500 Passagiere (zur Zeit natürlich weniger) kann es mitnehmen und die Reize der Gegend vom Wasser aus zeigen. Wir werden heute nicht mitfahren, sondern setzten unseren Spaziergang fort, es geht zum ersten Brückenkopf der ehemaligen Eisenbahnbrücke. An ihm ist eine eindrucksvolle 3,20 m hohe Edelstahlplatte mit 13 historischen Pegelständen angebracht. Der höchste und zugleich älteste ist vom 03.03.1855, auch die anderen sind bis auf einen alle sehr alt (>1948). Lediglich ein "aktueller" ist verzeichnet: in meiner Kinnhöhe steht die Marke vom 31.01.1995, diese ist vielen von uns sicherlich noch in Erinnerung. Auf diesem Brückenkopf ist eine Aussichtsplattform, von der man einen schönen Blick über die Landschaft und den Rhein hat.Doch nun mal zu der Eisenbahn selber:Auf einer Tafel, die leider mal wieder beschmiert wurde 😖, sieht man ein Bild von ihr aus alten Zeiten, es war ein sehr schönes imposantes Bauwerk. Diese nördllichste Eisenbahnbrücke Deutschlands wurde von 1872-1874 erbaut und sollte ein Teil der Verbindung Venlo - Hamburg werden. Aus dem ausgehobenem Lehm wurden vor Ort die Ziegelsteine für die über 100 Pfeiler gebrannt. Da sie auch die umliegenden Hochwasserbereiche mit abdecken musste, betrug ihre gesamte Länge fast 2 km und wurde so zur damals längsten Brücke Deutschlands. 1926/27 wurde diese erste Bogenbrücke durch eine stabilere Kastenbrücke ersetzt, die nicht so viele Pfeiler im Strom benötigte, was natürlich für die Schifffahrt von Vorteil war. Zu Kriegsende Anfang 1945 war sie die letzte Verbindung über den Niederrhein, weswegen sie am 10.03.1945 morgens von deutschen Pioniere gesprengt wurde, damit die vorrückenden Aliierten nicht so leicht über den Rhein gelangen konnten. Nach Kriegsende wurde sie nicht wieder aufgebaut, die Überreste der Strompfeiler wurden erst 1968 entfernt. Die restlichen Bauwerke bleiben als Baudenkmal geschützt erhalten, sie stehen auf der linksrheinischen Seite in einem heutigen Naturschutzgebiet, auf der rechtsrheinischen Weselseite werden sie teils als Hanger für die Segelflugzeuge und auch für ein Restaurant genutzt. Von dem Pfeiler mit der Aussichtplattform führt ein Weg Richtung Flugplatz an diesen Viadukten vorbei und immer wieder kann man im dicht gewachsenen Grün Überreste von ihnen sehen, bis man schließlich zu den genutzen Bereichen kommt.Nach diesem schönen Spaziergang machen wir uns auf den Weg zurück zum Boot und legen erstmal die Beine hoch, die Zeit am Nachmittag nutzen wir zum Rätseln (Sudoku) bzw Blog schreiben und genießen dabei Tee mit Plätzchen. Später fängt es heftig an zu regnen 🌧 und wir müssen in unserer "Tropfsteinhöhle" reichlich Töpfe aufstellen, die das an vielen Stellen durchdringende Wasser auffangen ... 😖


Tag 10: noch ein Tag Wesel und abends bekommen wir Verstärkung

 Am nächsten Tag ist wieder blauer Himmel 🌞und wir haben bei unserem Frühstück, das bei jedem Wetter auf dem Achterdeck eingenommen wird (in dem Bereich ist die Persenning zum Glück dicht 😉), einen herrlichen Ausblick auf dieses große Hafenbecken.
Das ist ideales Wetter um wieder das Suppen weiter zu üben, doch OHJE 😲😱 mit Entsetzen müssen wir feststellen, dass es bereits eine Beule hat. Wir bemerken, dass hier auch Luft entweicht. Zum Glück besteht das SUP aus 2 Kammern und es ist nur eine betroffen, so pumpen wir es auf und können es wieder benutzen, denn ein Flicken würde an dieser Stelle wohl nicht halten. Ludger zieht das Paddeln vor, während ich stehend durch die Hafenbucht fahre und mir gleichzeitig die verschiedenen Bootsverdecke anschaue, um vielleicht noch ein paar Ideen zu "klauen". Unser Tatendrang wird leider viel zu früh durch ein aufkommendes Wärmegewitter unterbrochen, schnell verstauen wir das Brett wieder auf den Davits und machen alles dicht am Bord. Vielleicht geht es ja schnell vorbei ... ist es aber leider nicht 😒 Erst am Abend wird es wieder trocken, als 2 große Schiffe aus Belgien hinter uns festmachen und wir feststellen, das eine Boot hat etwas, das wir auch gerne an unserem künftigen Verdeck haben möchten: eine Art Markise nach vorne. Nach einem informativen Gespräch mit dem Eigner, der auch heute Geburtstag hat, darf ich es auch als Anschauungsmaterial fotografieren - DANKE 🙏 Vor Jahren hatten wir das schon mal in Potsdam gesehen und fanden die Idee klasse. Sieht ungewohnt aus, hat aber den Vorteil, dass man im Steuerstand vor der manchmal gnadenlosen Sonne geschützt ist - oder halt auch vor dem Regen.Spät am Abend sehen wir die Sonne hinter und durch die Wolkendecke untergehen, kurz danach stößt noch die Verstärkung zu uns: unser Kind Sam hat sich nach der Arbeit in den Zug gesetzt und erreicht nach 3 Stunden Fahrt den Weseler Bahnhof, danach stand noch ein Fußweg von 45 min an > in dieser Zeit war es aber zum Glück trocken 👍 Müde fallen wir bald alle drei in die Kojen 😴😴😴 
 
Tag 11: Wesel > Duisburg

 
Heute ist frühes aufstehen angesagt, denn wir haben etwa 40 km Rhein stromaufwärts vor uns, das bedeutet: wir fahren nur mit halber Geschwindigkeit, dafür aber mit doppeltem Spritverbrauch 😲 Eigentlich wollten wir das vermeiden und die Ruhrgebietrunde anders herum fahren, aber dadurch, dass die Schleuse Wanne-Eickel die ersten beiden Wochen noch gesperrt ist ,mussten wir umdisponieren ... Vor 08:00 Uhr starten wir bei leider diesigem Wetter den Motor, vorbei geht es nochmals an der Eisenbahnbrücke und unter der Niederrheinbrücke her. Anschließend verziehe ich mich mit Sam in die Kombüse und wir richten dort das Skipperfrühstück her, denn wir sind alle drei noch nüchtern, dieses nehmen wir dann oben im Cockpit gemeinsam zu uns 😋😋😋 Wie erwartet sind wir recht langsam unterwegs: normalerweise haben wir bei 1.800 U/min eine Geschwindigkeit von 10 km/h, jetzt haben wir gegen den Strom bei 2.300 U/min aber nur 6 km/h ... 🐌 Logischerweise sind hier auf dem Rhein die Schiffe teils etwas größer als auf dem Kanal und wir hoffen  immer auf richtig GROSSE. Bei Mehrum kommt uns dann das erste Containerschiff entgegen, die JORDY-M würde mit ihren Schiffsmaßen zwar in die Münster Schleuse passen, aber mit den beladenen Containern dürfte sie Probleme bei den Brückendurchfahrten bekommen. Kurz danach kommen wir an dem ehemaligen Steinkohlkraftwerk Voerde vorbei, es wurde 2017 stillgelegt. Wie es mit dem Gelände weitergeht ist noch offen, derzeit werden verschiedene Varianten der Nachnutzung diskutiert, doch soll der jetzige Gebäudekomplex wohl rückgebaut werden, was mehrere Jahre dauern würde... 7 km weiter südlich bei dem Steinkohlekraftwerk Duisburg-Walsum, das teilweise noch in Betrieb sein darf, quert vor uns die Wagenfähre GLÜCKAUF, sie ist unterwegs von Orsoy rüber nach Walsum. Das Containerschiff NAVITAS passt aufgrund seiner Breite nicht mehr in die Schleuse Münster, aber bei ihr kann man schön sehen, wie luftig der Abstieg aus der Fahrerkabine ist: eine Person ist soeben auf den Treppen unterwegs, bei stürmischem Wetter ein gefährlicher Weg. Bei Duisburg Baerl trifft alt auf neu, hier liegen 2 Brücken dicht hintereinander: zum einen die moderne Schrägseilbrücke von 1990 für die A42 mit ihren 67 m hohen Pylonen, und dicht dahinter die ältere Haus-Knipp-Eisenbahnbrücke von 1912 (Wiederaufbau 1946). In diesem Bereich erreichen wir gerade mal eine Geschwindigkeit von nur noch 3,7 km/h 🐌, da haben die beiden großen ICHTHUS und NAVICELLA natürlich ein leichtes Spiel uns zu überholen. Wir erreichen Duisburg Ruhrort, bei der Friedrich-Ebert-Brücke liegt das Containerschiff OXFORD recht quer im Fahrwasser, er will in den Vinckehafen einbiegen. Am rechten Ufer liegt hier das nagelneue luxuriöse Flusskreuzfahrtschiff AMALUCIA, sie fährt unter Schweizer Flagge und wird erst in diesem Jahr ihren Dienst aufnehmen. Dahinter sehen wir die beiden imposanten Brückentürme aus dem Jahre 1907, sie sind ein Wahrzeichen von Duisburg. Früher musste hier der Brückenzoll bezahlt werden, inzwischen sind sie restauriert und beinhalten Wohn- und Büroräume. Südlich dieser Brücke münden direkt nebeneinander der Hafenkanal vom Rhein-Herne-Kanal kommend und die Ruhr in den Rhein, für uns geht die Reise aber noch ein kleines Stückchen weiter. Eine Brücke müssen wir auf dem Rhein noch unterqueren, es die der Autobahn A40, sie ist 1971 fertiggestellt worden und ähnelt optisch der A42-Brücke (s.o.). Doch hält diese der aktuellen Belastung durch das verstärkte Verkehrsaufkommen nicht mehr stand und wird nun durch einen Neubau ersetzt. Im Netz gibt es zu dem komplexen Bauphasenablauf auf der Planungsfirmaseite einen sehr interessanten Animationsfilm, anschauen kann ich nur empfehlen 👀 Nach über 7 Std. Fahrt für 41 km  verlassen wir bei km 776 den Rhein und biegen nach Backbord (links) in den Außenhafen ein, an dessen Ende nach 3 km die Marina Duisburg liegt. Vorbei geht es hier an aktuellen und ehemaligen Hafenanlagen, die Weiße Flotte hat hier ihren Platz und ein paar Brücken sind natürlich auch wieder dabei. Hier im Bild die auffällige Schwanentorbrücke: die Hubbrücke stammt von 1950 und steht inzwischen unter Denkmalschutz, z.Z. werden die Türme saniert. Die Durchfahrtshöhe berechnet sich ganz einfach anhand der Aufschrift:
10 minus den aktuellen Rheinpegel Ruhrort.
Wem das nicht reicht, für den kann die Hubbrücke um 10 m gehoben werden.Für uns passt es, so fahren wir weiter an den alten Kränen vorbei und ereichen schon bald die große Marina am Ende. Als wir 2017 hier waren, lagen kaum Schiffe hier und es war unklar, ob und wie es mit der Marina überhaupt weitergeht, da die Stadt sie abstoßen wollte, anscheinend hat sich alles zum Guten gewendet 👍Im Hafenbüro erfahren wir, dass man sich hier auf jeden Fall vorher anmelden soll (unabhängig von Corona), doch es ist trotzdem noch ein Plätzchen frei für uns. Nach der langen Tour heute genehmigen wir unseren obligatorischen Anlegeschluck auf der Badeplattform sitzend mit den baumelnden Beinen im Wasser - PROST 🍹🍹🍹
Anschließend relaxed Ludger auf dem Achterdeck beim Sudoku, während Sam und ich dem SUP etwas Bewegung verschaffen 🏄
Nach dem Abendessen droht mal wieder Regen und Gewitter ⛈ aber wenigstens auf der Fahrt war es trocken und heiter geblieben.

Tag 12: Ruhetag in Duisburg

 Heute Vormittag füllen Ludger und ich die zur Neige gehenden Vorräte auf, die Lebensmittelmärkte hier sind nicht weit entfernt. Beim ebenfalls dort liegenden Baumarkt besorgen wir uns dünne Leinen, die wir zur Befestigung des SUPs und zum Abspannen unseres Schattenstoffes nutzen können, so verstreicht der Tag mit Kleinkram und in den Regenpausen mit weiteren SUP-Übungsstunden. Abends wollen wir ausgehen, so wandeln wir frisch geduscht über die Buckelbrücke, die uns über den Hafen hinweg zur Südseite zum Altstadtpark bringt. Die Fußgängerbrücke kann bei Bedarf vom Wärter der Schwanentorbrücke gehoben werden, das ist möglich, da die einzelnen Elemente schuppenartig angeordnet und so verschiebbar sind. Wird sie für ein Schiff gehoben, sieht es aus wie ein Katzenbuckel, leider haben wir sie so nicht gesehen, diese Technik soll einzigartig auf der Welt sein.
Am Altstadtpark angelangt schwenken wir nach links Richtung Bars und Restaurants des Innenhafens, hier gibt es heute Jumbo Hour, die Cocktails haben bei gleichem Preis eine Größe von 0,5 Liter 😃😋 In einem der Lokale lassen wir uns nach einem dieser köstlichen Getränke die Burger und die mit Käse überbackenen Nachos gut schmecken und gönnen uns zum Ende nochmals so ein leckeres Getränk  🍹 PRÖSTERCHEN 🍹

Auf dem Nachhauseweg fällt unser Blick auf das 2004 fertig gestellte Bürogebäude Five Boats, es liegt direkt hinter der Marina und hat die Form von 5 Bootskörpern, die alle mit dem Bug zum Wasser zeigen, so haben fast alle Büros Blick auf den Innenhafen. Zur Hinterseite Richtung Autobahn sind die Technikräume und Aufzüge untergebracht. Die Zwischengebäude können dank moderner LED-Steuerung unterschiedlich farbig leuchten, zur Zeit präsentieren sie passend zum Pride Month Juni den Regenbogen 🌈 Der Pride Month soll Aufmerksamkeit schaffen, dass es viele verschiedene Sexualitäten und Geschlechter gibt und sie ALLE GLEICHBERECHTIGT sind ❕❕

Tag 13: Duisburg > Mülheim/Ruhr

  Bei Nieselregen und nur 14°C verlassen wir gegen Mittag die Marina. An der Nordseite sehen wir vor der Schwanentorbrücke den ehemaligen Getreidespeicher aus dem Jahr 1904, Duisburg war damals der größte Getreideumschlagplatz am Niederrhein. Seit 2014 ist in ihm das Landesarchiv NRW mit seinem Hauptsitz und der Unterabteilung Rheinland untergebracht. Das direkt danebenliegende wellenförmige Gebäude dient als Bürotrakt, zur Lagerung der vielen wertvollen Dokumente wurde extra ein 70 m fensterloser Turm erbaut, in ihm lagern die geschichtsträchtigen Akten sicher vor Einflüssen der Umwelt. Das Archiv ist offen für Besucher. Auf der Südseite sehen wir den markanter Turm der evangelischen Salvatorkirche, er hatte im Laufe seines "Lebens" verschiedene "Köpfe", da ihm Blitzeinschläge, Brände und Kriege immer wieder zusetzten. Das heutige achteckige Obergeschoss stammt aus dem Jahre 1904, der damals ebenfalls aufgesetzte "Helm" wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. 2010 fand in der Kirche z.B. der Gedenkgottesdienst für die Opfer des Loveparade 2010 statt. Daneben sehen wir den Rathausturm, auch er hat seit dem Zweiten Weltkrieg ein einfacheres Aussehen. In den Morgenstunden des 13.Mai 1943 stiegen in England 572 Bomber auf mit Ziel Duisburg, in nicht einmal einer Stunde fielen so ca 1.600 Tonnen Bomben auf die Stadt und veränderten das Aussehen damit nachwirkend. Ruckzuck sind wir wieder auf dem Rhein, den wir aber bereits nach kurzer Zeit wieder verlassen, denn bei km 780 befindet sich die Ruhrmündung, hier biegen wir nach Steuerbord (rechts) ab. Die Mündung kann man dank ihrer auffälligen Landmarke nicht übersehen: es handelt sich um die 1992 vom Bildhauer Lutz Fritsch erschaffene stählerne Skulptur, sie wiegt 83 Tonnen und ist 25 m hoch 7 m breit und 1 m dick, der Anstrich hat den RAL-Farbton Reinorange, wo sich der Name Rheinorange herleitet. An ihr endet der Ruhrtalradweg 🚴 und auch der Ultramarathon  🏃 TorTour de Ruhr®, jeweils 230 km lang, letzterer findet nur alle 2 Jahre statt. Die Ruhrschleuse Duisburg erreichen wir nach nicht mal 3 km, das Tor steht bereits offen für uns 🟢🟢, so können wir direkt in die 311 m lange Kammer einfahren, einsam aber ohne Probleme werden wir um ca. 4 m auf das Ruhrniveau angehoben. Auch Schleuse Raffelberg gewährt uns direkte Einfahrt, ist aber beim Schleusenvorgang unruhiger, auch die Nischenpoller sind nicht so bedienerfreundlich. Nach insgesamt 3 Stunden Fahrzeit erreichen wir den Stadthafen von Mülheim, rückwärts zirkelt Ludger das Boot schön in die Ecke, während Sam und ich uns um die Leinen kümmern, da sind wir ein eingespieltes Team.   Ein Empfangskomitee beobachtet und begrüßt uns dabei, mehrere Nilgänse schauen argwöhnisch zu uns herüber, doch bleiben sie friedlich. Die Nilgans stammt ursprünglich aus Afrika, zu uns kommen sie jedoch schon seit den siebziger Jahren aus den Niederlanden und bevölkern den Rhein mit seinen Nebenflüssen, inzwischen hat sie so schon die Schweiz und über die Donau auch Österreich erreicht. Durch ihr teils agressives Verhalten verdrängt sie mancherorts heimische Wasservögel, weswegen immer wieder Diskussionen aufkommen, wie mit ihnen zu verfahren ist. Schön sieht sie aber aus und hat durch ihren auffälligen Augenbereich einen guten Wiedererkennungswert. Den ganzen Tag über hat es geregnet und über die morgendlichen kühlen 14°C kam das Thermometer leider nicht hinaus, so ist heute einer der seltenen Tage, an denen wir am Abend warm angezogen unten im Salon essen und anschließend mit SuDoKu und Schiffe versenken verbringen

Tag 14: Mülheim/Ruhr > Kettwig

Morgens sind es zwar nur 13°C, aber wir haben stahlend blauen Himmel 🌞 Der Fischreiher steht am Rande des Stadthafens und hält Ausschau nach seinem Frühstück. Wir haben von unserem Liegeplatz einen guten Blick zur schönen Fassade der Mülheimer Stadthalle auf der anderen Ruhrseite. Das markante Kultur- und Kongresszentrum wurde Anfang 1926 eingeweiht und nach einem Bombenanschlag 1943 mit Erweiterungen wieder aufgebaut. Der Stadthafen liegt hier sehr zentral in einem kleinen Hafenbecken, in dem auch ein Tretbootverleih vertreten ist. Rundherum stehen mehrgeschossige Häuser, die teils Geschäfte, Restaurants und auch eine Eisdiele beinhalten. Die Treppenstufen rundherum laden zum Verweilen ein, was
aber evtl an warmen Abenden auch unangenehm werden kann, zumal der Bootssteg frei zugänglich ist ...

Gegen 11 Uhr starten wir die Maschine und fahren weiter Richtung Süden, Kettwig ist unser heutiges Ziel. Die Schleuse Mülheim liegt nur ein paar Meter südlich des Hafens, die historische Backsteinschleuse überbrückt den Höhenunterschied von 2 Wehren und stammt aus dem Jahr 1845, 1994 wurde sie jedoch umfangreich saniert. Da die Einfahrt unter einer Rundbogenbrücke liegt haben wir unseren Geräteträger vorsichtshalber gelegt. Die Schleusung hier und an den weiteren Ruhrschleusen sind kostenpflichtig, zur Zeit zahlen wir als Einzelboot jeweils 2,50 €, der Schleusenwärter kassiert das Geld,   wenn man oben angekommen ist. Der Fischreiher, oder ist es vielleicht ein anderer ..., begleitet uns und hofft auf dem Drempel stehend endlich auf seinen Frühstücksfisch, doch sucht er dann doch das Weite, sobald der Wasserstand sich ihm tosend nähert. Hat man das obere Level erreicht, sieht man rechts auf der Schleuseninsel den Wasserbahnhof liegen, hier ist der Liege- und Abfahrtsplatz der Weißen Flotte, die bereits seit 1927 mit interessierten Gästen ihre Runden auf der Ruhr drehen. Auch kann man in dem dortigen Bürocontainer die Liegegebühr für den Stadthafen bezahlen, weswegen wir dort nach Rücksprache mit dem Schleusenwärter nochmals kurz anlegen. Blicken wir bei der Weiterfahrt zurück, sehen wir das aus Ruhrsandstein gefertigte Wasserkraftwerk Kahlenberg liegen, es leistet seit 1926 seinen Dienst und steht seit 1990 unter Denkmalschutz. Bei überwiegend bewölktem Himmel geht für uns die Fahrt weiter, das blaue Kahlenbergwehr lassen wir an Steuerbord (rechts) liegen. Am Ostufer liegen hier ein paar sehr schöne alte, aber renovierte Villen, zwischendurch auch immer wieder neu gebaute Mehrfamilienhäuser. Ein Stückchen weiter liegt auf der anderen Uferseite der Campingplatz Ruhrcamping, man kann hier "normal" campen/zelten oder sich einen Bauwagen mieten. Anhand der Homepage sind sie für 2-4 Personen sehr gemütlich eingerichtet. Man liegt mitten in der Natur, prima um die Seele baumeln zu lassen. Schon von weitem sehen wir ein mächtiges Bauwerk, es ist die Ruhrtalhochbrücke Mintard, über ihr verläuft in 65 m Höhe die Autobahn A52. Sie wurde nach 3jähriger Bauzeit 1966 fertig gestellt und ist mit über 1800 m die längste Stahlbrücke Deutschlands. 2005 wurde eine umfangreiche Verstärkung und Instandsetzung durchgeführt, die 4 Jahre und viel Geld in Anspruch genommen hatte. Inzwischen ist bekannt, dass ab 2024 eine neue Brücke gebaut wird, die dann sechsspurig verlaufen wird, um den immer stärker werdenden Verkehr gerecht zu werden.
Nach fast 2 Stunden wunderschöner Fahrt über die Ruhr erreichen wir die Schleuse Kettwig, die Einfahrt fällt bei der großen Ruhrbrücke mit integriertem Wehr gar nicht auf. Im Oberwasser angekommen queren wir den Kettwiger Stausee, unterqueren die Eisenbahnbrücke und machen gleich dahinter beim MBC Kettwig fest. Während einer Mittagspause erholen wir uns von der heutigen 2,5 stündigen Fahrt und sammeln neue Energie, um das Städtchen Kettwig zu Fuß zu erkunden. An der Ruhr entlang geht es zur historischen Altstadt. Von der Mühlengrabenbrücke, die 1786 aus Ruhrsandstein erbaut wurde, hat man einen schönen Blick darauf. Sie überbrückt einen ehemals wichtigen Nebenarm der Ruhr, denn bereits im Mittelalter gab es hier die Kettwiger Kornmühle. Zur Zeit ist der Mühlengraben komplett mit Wasserlinsen bedeckt, sie wird auch Entengrütze genannt und klaut in dieser Intensität den darunter liegenden Pflanzen das Licht. Wir kehren nun erstmal in das Eiscafé Al Ponte ein und genehmigen uns jeder einen großen Eisbecher 🍨😋. Anschließend geht es über die mit Kopfsteinen gepflasterte Ruhrstraße zum Tuchmacherplatz, hier sieht man an einer Giebelwand, womit der Besitzer mal sein Geld verdient hat, er war wohl Schuster. Gleich daneben liegen 4 sehr schöne restaurierte Fachwerkhäuser, sie stammen aus dem 17/18. Jh.. Das Haus mit der Nr. 65 nennt sich das Doktorhaus, denn in ihm wohnte damals der Dr. Mallinus, es hat eine auch eine sehr dekorative Eingangstür. In dem jetzigen Restaurant Parlament (rechts im Querbild) war anfangs die Poststation untergebracht, im 19. Jh. wurde es dann ein Gasthaus, in dem sich gern die Politiker aufhielten, daher rührt sein Name. Es ist damit auch das älteste noch erhaltene Restaurant von Kettwig. Für uns geht es weiter zur Kirchtreppe, sie wurde bereits im 14 Jh. namentlich erwähnt und beginnt hier im Unterdorf direkt an dem Tuchmacherplatz. Da an den Fachwerkhäusern, die an ihr liegen, gerade umfangreich mit Gerüsten gearbeitet wird, waren leider keine schönen Nahaufnahmen möglich. Die teils eng versetzten Stiegen führen rauf zum Kirchplatz der evangelischen Kirche am Markt. Der 40 m hohe Kirchturm ist der älteste Teil von ihr und stammt aus dem 13. Jh., das Kirchenschiff musste nach Bränden im 18. Jh. erneuert werden. Die gesamte Kirche steht unter Denkmalschutz. In den Häusern rund um den Kirchplatz wird übrigens der Ursprung von Kettwig vermutet. Für uns geht es im Bogen zurück zur Ruhrbrücke,  von ihrem westlichen Ende haben wir nochmals einen schönen Blick auf die Altstadt und einen Teil der alten Scheidt'sche Tuchfabrik aus dem Jahre 1837, ein Teil wird von den hochgewachenen Bäumen verdeckt. Die Tuchmacherei war damals die zentrale Industrie hier in Kettwig, da von ihr in den Kriegsjahren für die Feinde keine Bedrohung und auch kein Nutzen hervorging, wurde der Stadtkern kaum zerstört. Auf dem Rückweg kehren wir im Restaurantschiff Thetis ein, es liegt direkt an der Promenade und bietet unter anderem auch außenliegende Plätze zur Ruhrseite an.

Tag 15: Ruhetag in Kettwig

Morgens haben wir strahlend blauen Himmel 🌞 mit einem herrlichen Blick auf die Eisenbahnbrücke und die stetig landenden Flugzeuge darüber, ihr Ziel ist der internationale Flughafen Düsseldorf. Die Eisenbahnbrücke wurde 1951 wieder aufgebaut, zuvor gab es hier sogar drei Stück nebeneinander (erbaut 1872 - 1876 - 1926). Im April 1945 wurden zum Kriegsende alle drei Brücken durch die deutschen Soldaten bombadiert, um ein Überqueren der Ruhr für die näher kommenden amerikanischen Soldaten zu erschweren (ähnlich wie in Wesel: s.o.) . Nachhaltig war man übrigens bereits damals: 1957 entfernte man 2 stehengebliebene Teile der beiden anderen Brücken, sie überspannen in Wesel bis heute die Lippe 👍 Wir nutzen den Tag und schwingen uns wieder auf das SUP-Brett, Sam und ich haben eine Menge Spaß darauf und landen dabei heute auch im Wasser 😄😄 Nach einem leckeren Salat verbringen wir den Abend natürlich weiter an Deck und regen unser Gehirn beim Scrabble-Spiel zu Höchstleistungen an 🧠🤔

Tag 16: Kettwig > Baldeneyschleuse > Mülheim/Ruhr

Nach unserem morgendllichen obligatorischen Motorcheck starten wir bereits um 9 Uhr die Maschine und fahren bei teils bewölktem Wetter die Ruhr weiter rauf Richtung Baldeneyschleuse, dieser Schlenker war uns in Wesel von einem an der Ruhr liegenden Eigner sehr empfohlen worden. Die Fahrrinne ist betonnt und die Ufer bis ans Wasser herrlich grün bewachsen > WUNDERSCHÖN Selbst in dem städtischen Bereich von Werden bleibt es so dicht bewachsen/bewaldet. Nördlich der dortigen Straßenbrücke liegt unübersehbar hoch oben am Westufer das Restaurant VilleVue, es gehört dem Comedy-Star Mirja Boes. Sie übernahm 2018 das ehemalige Traditionslokal Zur Platte und möchte seitdem die Besucher hier kulinarisch verwöhnen - steht jedoch nicht selbst am Herd. Von dort oben soll man einen herrlichen Blick über die Gegend haben, was ich mir gut vorstellen kann. Für uns geht es noch ein kleines Stückchen weiter, doch kurz vor der Baldeneyschleuse bei km 29 drehen wir um und fahren wieder zurück. Denn auf dem großen Baldeneysee darf man als Motorboot nur in der betonnten Fahrrinne fahren, außerhalb ist es den Seglern vorbehalten. Nach dem See kann man zwar noch ein Stück die Ruhr weiter fahren, doch bei km 41 ist dann Schluss. Anlegemöglichkeiten gibt es für uns dort keine mehr, der letzte mögliche Hafen liegt bei km 25, den haben wir eben schon liegen sehen. Auf dem Rückweg sehen wir in Werden ein Schlosstürmchen, das uns auf dem Hinweg gar nicht aufgefallen war, man halt nun einen andere Blickrichtung auf die Dinge. Bei km 26 liegt der Anleger Am Staadt der Weißen Flotte, er macht allerdings nicht den Eindruck, dass die hier wirklich noch festmacht. Direkt hinter dem schönen sichtbaren Fachwerkhaus liegt das Restauraunt und Eventlocation 12 Apostel, es wurde 2013 von Grund auf renoviert. Kurz danach passieren wir abermals den oben schon erwähnten YH Essener-Outboard-Club, direkt dabei liegt auch das Restaurant Schevener Hof, es sieht hier alles sehr einladend aus, doch sollte man auf jeden Fall vorab anfragen, ob ein Liegeplatz frei ist. Bei der weiteren Fahrt sehen wir den Stadtwald von Kettwig vor uns, in ihm soll es schöne Wanderwege und mehrere Aussichtspunkte geben. Von dort oben schaut man auf die Ruhr und hat aufgrund seiner nach Osten ausgerichteten Lage einen wunderbaren Blick auf den Sonnenaufgang. Nach wunderschönen 90 Minuten erreichen wir wieder Kettwig und melden uns telefonisch für die Schleuse an, zunächst heißt es, wir müssten auf ein Passagierschiff warten, doch dann können wir doch direkt einfahren 👍 Wir zahlen beim Schleusenmeister wieder unseren Obolus in Höhe von 2,50 € und schon geht es ca. 5 m Hub für uns abwärts. Das Unterwassertor öffnet sich leider nach oben, so dass es bei der Ausfahrt derbe auf unser Boot tröpfelt. Nachdem Sam und ich alle Leinen und Fender wieder "verstaut" haben, fällt uns was auf dem vorderen Teak-Deck auf: da liegt doch was 👀 Bei genauerem Hinsehen erkennen wir einen kleinen Fisch 🐟, es handelt sich um eine Quappe (Dorschart), der sich leider nicht mehr bewegt 😒. Ich packe ihn vorsichtig und werfe ihn ins Wasser und siehe da, er zappelt wieder 😀 Wir brauchen nicht lange drüber nachzudenken, wo er wohl herkam: klar, er wurde mit dem Tor nach oben gezogen und durch sein Zappeln fiel er dann bei unserer Ausfahrt runter auf das Boot. Auf der weiteren Fahrt nach Mülheim kommen wir auch wieder unter der Ruhrtalbrücke her, dieses Mal liegt sie jedoch im Sonnenschein und wir sehen aus dieser Perspektive ein längeres Stück von ihr. Südlich der Mendener Brücke kommen uns mehrere trainierende Dachenboote entgegen, eines fällt durch seinen energischen Steuermann besonders auf ...
Beim Wasserkraftwerk Kahlenberg müssen wir uns bei der Gabelung nach Steuerbord (rechts) halten, sonst würden wir auf das denkmalgeschützte Kraftwerk zufahren. Hier in der Schleusenzufahrt liegt an der Westseite wieder der Wasserbahnhof mit seiner Weißen Flotte und auf der Ostseite sehen wir die schöne blumengeschmückte 💮💮🥀🥀 Promenade.
Vor der Schleuse wollen wir kurz anlegen, denn unser Kind Sam wird uns heute nach einer Woche wieder verlassen 😒 und ab hier mit dem Zug nach Hause fahren. Beim Anlegen bin ich am Bug (vorne) schon an Land, um eine Vorleine zu befestigen, als ich von hinten aus dem Cockpit Ludger rufen höre "Ich kann nix mehr machen, ihr müsst das Boot aufstoppen
(= bremsen) 😲😲" Eh ich das Gesagte einordnen kann, kämpft Sam schon mit der Achterleine (hintere), die sich im Flachfender verheddert hat, doch Ludger ruft ihm energisch zu: "Der Fender ist egal, mach die Leine schnell am Poller fest!" Ich, die ja 10 m weiter vorne steht, kann die Geschehnisse immer noch nicht ganz realisieren, hätte auch keinen passenden Poller o.ä., um Leinenzug nach hinten aufzubauen. Was war überhaupt geschehen? Das wurde erst nach und nach klar: Ludger konnte mit dem Gashebel nicht wie üblich aufstoppen, so wäre das Boot durch seinen Schwung weiter nach vorne gefahren, auf das Stromaufsichtsboot Bussard zu. Das Rätsel löste sich erst, als er die Verkleidung des Gashebels und das Cockpit selbst öffnet um nachzuschauen, was überhaupt los ist: auf den ersten Blick sieht alles normal aus, doch die Gashebelbewegungen Vor und Zurück werden nicht mehr an den Motor übertragen, unsere Vermutung ist, dass beim Anlegen der Gasbautenzug gerissen ist (eigentlich heißt es Bowdenzug, dieser wurde 1897 von Frank Bowden und Ernest Monnington Bowden erfunden). Das ist ein ummantelter Draht, der vom Gashebel zum Motor führt. Was nun, es ist Sonntag? Zunächst geben wir dem Schleusenwärter Bescheid, dass wir ein Motorproblem haben und vorläufig wohl nicht hier wegfahren können. Er ist total nett und meint, das wäre kein Problem, wir könnten da gerne so lange liegen bleiben. Auch gibt er uns Telefonnummern von möglichen Personen/Firmen, die uns helfen können. Der nächste Anruf geht an unseren Motormechaniker, es ist zwar Wochenende und er ist krankgeschrieben zu Hause, doch hat er immer ein Ohr für uns, wenn Not am Mann ist > TOTAL KLASSE 🙏 Wir schildern das Problem und schicken auch ein Video (im Handyzeitalter ja kein Problem), danach bestätigt er per Ferndiagnose unsere Vermutung, dass es am Bautenzug liegt. Also bauen wir den alten aus, messen seine Länge, stolze 4,5 m misst er, und kontaktieren wieder unseren Motor-Manni, er ordert ihn für uns und lässt ihn per Express direkt zu uns schicken, Dienstagmorgens soll er ankommen ... Im Nachhinein wird uns bewusst, was wir für ein riesen Glück hatten, wäre uns das auf freier Fahrt oder gar auf dem Rhein passiert, hätten wir z.B. bei schwimmenden Personen oder in der Rheinströmung gar nicht richtig reagieren können > ein Drama hätte das werden können ...
Nach einem derben Regenschauer nutzen wir die gewonnene Zeit und machen einen Spaziergang, es geht rüber auf die Schleuseninsel, von dort haben wir einen schönen Blick auf unsere BetteLu. Am südlichen Ende steht das Haus Ruhrnatur, es handelt sich hierbei um ein Erlebnismuseum für Jung und Alt, untergebracht ist es in einem ca. 100 Jahr alten denkmalgeschützen Bootshaus, an der Nordseite hat das Gebäude eine Spiegelfront. Weiter geht es vorbei an dem Wasserkraftwerk, von hier haben wir zum einen einen schönen Blick auf das Westufer der Ruhr mit teils modernen, aber auch alten Gebäuden und zum anderen auf die Broicher Schlagd (Schlagd ist ein früherer Name für ein Stauwehr), es gehört zum Naturschutzgebiet "Saarn-Mendener Ruhraue". Hier wachsen Pflanzen, die sich wohlfühlen, wenn sie gelegentlich durch Hochwasser überschwemmt werden, auch viele Tierarten fühlen sich in diesem Bereich wohl und sind hier heimisch geworden. Über die Fußgängerbrücke Kassenberg geht es weiter zum schon erwähnten Ruhrwestufer, dort schwenken wir ab nach Norden, um über die Schlossbrücke wieder das Ostufer zu erreichen und zur BetteLu zurückzukehren, hier lassen wir den turbulenten Tag hinter uns und genießen die abendliche Ruhe an Deck.

Tag 17: "Zwangsaufenthalt" in Mülheim/Ruhr

Den Morgen lassen wir entspannt angehen, nach einem kleinen Mittagsschläfchen 😴😴 machen wir uns aber auf einen weiteren Erkundungsgang: das heutige Ziel ist Schloss Broich, schon von der Straße aus ist das ehemalige Sperrfort zu sehen. Seine Ursprünge stammen aus dem 9. Jh., im 17. Jh. wurde es zu einer gräflichen Residenz umgebaut, heute nutzt die Stadt als Besitzer die Räumlichkeiten z.B. für Empfänge und Trauungen, als Privatperson kann man sie für Feierlichkeiten anmieten. Im Jahre 2019 endete eine umfangreiche 10-Jährige Sanierung der Gebäude. Westlich von diesem imposanten Schloss liegt der Darlington Park, von hier hat man nochmals einen schönen Blick auf die Anlage. Dieser gesamte Bereich gehörte 1992 zum Gelände der MüGa (Mülheimer Gartenschau), es war die dritte Landesgartenschau von NRW. Ebenfalls gibt es hier auch unterschiedlich gestaltete Partnerstadtgärten, den Veranstaltungsbereich Ringlokschuppen sowie einen Matschspielplatz. Unser Weg führt uns weiter über die Kfar-Saba-Brücke in den östlichen Bereich zu den "Tourainer Gärten", hier gibt es viele Wasserinstallationen und -becken, die teils bei entsprechendem Wetter zum Erfrischen einladen, auch stehen hier wunderschöne alte Baumbestände. An ihnen vorbei gehen wir zur inzwischen dicht bewachsenen Wendeltreppe, beim Hochgehen haben wir einen guten Blick auf das Stadtviadukt aus dem Jahre 1865 und
erreichen schließlich den Radschnellweg RS1 auf der Ruhrbrücke. Dieses Teilstück, es folgt der ehemaligen Trasse der Rheinischen Bahn, reicht von der Hochschule Mülheim bis zur Universität Essen, wurde 2015 eröffnet. Wenn der RS1 mal mit einer Länge von 101 km komplett ausgebaut ist, führt er von der Stadt Duisburg quer durch die Ruhrregion bis nach Hamm, ein Beginn in Moers ist zur Zeit im Gespräch. Der Verlauf ist auf gesamter Strecke kreuzungsfrei zum Straßenverkehr angelegt und es gibt einen markierten Bereich, teils durch Pflanzkästen abgegrenzt, für die Fußgänger. Durch ein Fenster der Brückenkonstruktion sehen wir den 60 m hohen Rathausturm und haben von hier auch einen schönen Blick auf die Ruhr. Unser Abendessen lassen wir uns später auf dem Achterdeck schmecken und genießen die Ruhe hier am schönen Wasserbahnhof.













Tag 18: Reparatur und Fahrt Mülheim/Ruhr > Oberhausen

Heute stehen wir schon früh auf, denn das Paket soll ja zeitig kommen und richtig genug, während unseres Frühstücks bringt der nette Schleusenwärter trotz Regen das ersehnte Paket 😀📦😀 und wünscht uns viel Erfolg beim Einbau. Doch zunächst beenden wir in Ruhe unser Mahl, denn ein hungriger Magen arbeitet ja bekanntlich nicht gut, so kann es gegen 9:00 Uhr losgehen. Oben am Steuerstand starten wir, das eine Ende will anfangs nicht sofort in die Halterung rein, doch mit Geduld und sanftem Druck klappt es schließlich doch, nun geht es daran, den 4,5 m langen Bautenzug durch den Motorraum zu verlegen und das andere Ende dort in den Tiefen zu befestigen > das klappt besser. Nun noch alles schön festzurren und bereits nach 90 Minuten starten wir einen Testlauf > ja es funktioniert 👍 wir können wieder Gas geben, im wahrsten Sinne des Wortes 😂😂 Jetzt noch fix alles wieder aufräumen und bereits 1 Stunde später stehen wir fahrbereit vor der Schleuse und bekommen auch prompt das 🟢🟢 Signal für unsere Einfahrt. Bei der Bezahlung der Schleusengebühr (2,50 €) bedanken wir uns nochmals bei dem netten Herrn mit einem leckeren Tröpfchen aus unserer Heimat 🍸
Nach der Ausfahrt unterqueren wir zunächst die Schlossbrücke und haben dann einen schönen Blick auf die tags zuvor übergangene Ruhrbrücke. Die ursprüngliche Brücke wurde 1865 für die Eisenbahnlinie Osterath 🚂 Dortmund errichtet, 1926 erhielt sie ihre heutigen 3 eisernen Bögen (der dritte verbirgt sich auf der Innenstadtseite in den Bäumen). Beim Nordhafen kurz vor der Schleuse Raffelberg liegen viele Sportboote im Päckchen an der Spundwand, der Grund dafür liegt in den Baumaßnahmen an der Spundwand im Bereich des YC Mühlheims, deshalb ist dieser das ganze Jahr über geschlossen. Schon in Wesel hatten wir einige der 39 Boote liegen sehen, die eigentlich hier ihren Heimathafen haben. Für uns geht es bei Windböen bis 6 bft weiter in die Schleuse Raffelberg, diese ist von ihren Festmachern her gar nicht gut auf Sportboote eingestellt, die vorhandenen Durchzieh"poller" sind weit auseinander und es geht schwungvoll die fast 7 m hinunter, so dass man zügige Leinenarbeit leisten muss, das ist hier durchaus ausbaufähig!!! Anschließend fahren wir die letzten km über die Ruhr mit ihren schönen grünen Ufern und passieren die Brückenlandschaft Ruhraue, bei km 6 queren 7❕ Eisenbahnbrücken das Gewässer, es sind die sogenannten Brücken Kaiserberg. Kurz danach folgt eine Straßenbrücke bevor wir zu den Brücken der Autobahn A3 und der danebenliegenden vierspurigen Eisenbahnbrücke kommen, diese hat schöne massive Vorflutbrücken. Knapp dahinter erreichen wir bereits den Verbindungskanal, der uns rüber zum Rhein-Herne-Kanal (RHK) bringt, hier erwartet uns auch bald die Schleuse Oberhausen, die wir zusammen mit dem Berufsschiffer VIKING KARVE und zwei weiteren Sportbooten benutzen können. 5 km weiter östlich biegen wir ab in die Marina Oberhausen und können in einer freien Box festmachen, hier wollen wir für 2 Nächte bleiben.

Tag 19: Ruhetag in Oberhausen

Das Frühstück können wir bei bestem Wetter und weit geöffneter Persenning einnehmen und haben dabei einen schönen Blick über den Hafen. Später legt vor dem Meeresaquarium Sealife das Passagierschiff KETTWIG der Weißen Flotte an, sie fährt im Sommer immer Mittwochs und Samstags 3x täglich die Route vom Bismarckhafen in Gelsenkirchen bis Oberhausen und zurück. Ganz untätig sind wir heute nicht, so machen wir uns zu Fuß auf den Weg zu dem großen beruflichen Klamottenladen Engelbert Strauss und decken uns mal wieder mit einigen netten Teilchen ein 🩳👖👕, anschließend setzen wir uns auf die Außenterrasse der Eisdiele
🍨 an der Promenade und haben von hier oben einen schönen Blick über die künstlichen Seen zum Gasometer. Das Gerüst wird derzeit demontiert und für den Herbst diesen Jahres ist nach fast 2-Jähriger Sanierungszeit mit einer neuen Ausstellung die Wiedereröffnung geplant, ein Besuch dort lohnt sich auf jeden Fall. Am Abend lassen wir uns in einem der zahlreichen Restaurants hier verwöhnen, bevor wir ihn an Deck bei einem Glas Rotwein ausklingen lassen.

Tag 20: Oberhausen > Gelsenkirchen

Gegen 11 Uhr geht es bei bewölktem Himmel, aber angenehmen 22°C auf zum nächsten Hafen, die Stölting Marina ist unser heutiges Ziel, sie liegt nur 16 km und 1 Schleuse weiter östlich von Oberhausen. Auf dem Weg dorthin kommt uns das 30 m lange Vermessungsschiff WESTFALEN entgegen, es funkt uns schon von weitem an, dass wir doch bitte langsam und mit Abstand an ihr vorbei fahren möchten, beim Näherkommen sehen wir auch die Ausleger mit den Messköpfen zu beiden Seiten. Beim Nordsternpark haben wir freien Blick auf die scheinbar unendlich lange Graffitiwand, an der sich die Künstler austoben können, bei so einigen Objekten wird jedem klar, in wessen Fußballrevier wir hier sind: der  S04  ist gleich mehfach vertreten. Auf dem ehemaligen Gebäude der Kohlenmischanlage ist eine rund um die Uhr geöffnete Aussichtsplattform, von der man sicherlich einen tollen Ausblick auf die Umgebung hat, leider gibt es hier keinen Schiffsanleger für uns 😕 Gleich daneben liegt das Amphitheater, in dem die unterschiedlichsten Aufführungen und Konzerte stattfinden, bis zu 6.000 Zuschauer können hier Platz nehmen. Imposant auch die Fußgängerbrücke mit den auffälligen roten Bögen. Bei der Schleuse Gelsenkirchen können wir nach Anmeldung direkt in die Nordkammer einfahren, die Südkammer ist zur Zeit wegen Sanierungsarbeiten am Oberhaupt gesperrt. Übrigens darf man nach Rücksprache mit dem Schleusenmeister an der Sportbootwartestelle übernachten, Ludger durfte hier mal während des RockHard-Festivals im Amphitheater für 3 Nächte im Unterwasser liegen, es sind dann ca. 2 km Fußweg dorthin.
Nach einer Gesamtzeit von nur 2 Stunden erreichen wir die unübersehbare Einfahrt zum Hafen Graf Bismarck, sie wird von der 2009 erbauten und 141 m langen Schrägseilbrücke überspannt. Einen freien Liegeplatz finden wir hier ohne Probleme, leider gibt es hier keine 🔴🟢 Kennzeichnung, später beim Anmelden erfahren wir, dass die Vorkopfliegeplätze für die Gäste sind, da würde man sich eine entsprechende Beschilderung wünschen. Nach dem Festmachen beginnt ein SEHR STARKER Regen, dem auch noch ein Gewitter folgt > schön, dass es nicht während der Fahrt war 🙏
Als es wieder trocken ist, suchen wir die Duschen auf, um uns für den Abend frisch zu machen, denn da sind wir zum Essen verabredet ...
Leider sind wir in diesem Jahr von den Sanitäranlagen enttäuscht: eine der beiden Duschen ist gesperrt, bei der offenen ist der Siphon durch Haare verstopft; die Haken sind sehr klein und nur geklebt, da hat man Bedenken, seine Utensilien dran zu hängen; bei den Waschbecken sind gar keine Aufhänger, so dass ich froh bin allein hier zu sein, denn so kann ich das andere Waschbecken als Ablage nutzen und aus dem Abfluss im Boden steigt unangenehmer Duft auf - auch hier wäre Nachbesserung bzw. Beseitigung von Nöten.
Eine spätere Mail diesbezüglich blieb leider unbeantwortet ...

Wie schon erwähnt, sind wir abends auswärts unterwegs: mit unserem Sohn und meinem Bruder mit Frau sind wir im Steakhouse Ruhrkind verabredet, bisher hatten wir dieses Lokal nur hier liegen gesehen und es machte optisch von außen einen guten Eindruck > heute wird getestet. Die gewünschten Steaks können wir uns an der Frischetheke aussuchen, dort warten mehrere verschiedene Sorten und Größen auf uns, dazu bestellen wir uns teils noch extra Beilagen wie Kartoffeln und Gemüse. Später wird dann alles zusammen, aber in eigenen Schälchen zum Tisch gebracht. Ich sage euch, es sieht nicht nur lecker aus, es schmeckt auch SUPER 😋😋 Beim nächsten Mal werden wir jedoch weniger Beilagen bestellen, denn die sind reichlich bemessen und reichen locker für 2 Personen.

Tag 21: Gelsenkirchen > Irrfahrten über den RHK 😵😵

Da wir unser heutiges Ziel Henrichenburg zeitig erreichen möchten, legen wir bereits gegen 10 Uhr ab, verlassen die Stölting Marina und begeben uns auf den RHK, der noch sehr ruhig wirkt und die feuchte Luft nach dem Regen sichtbar ist - man hat das Gefühl, es wäre 6 Uhr in der Früh. Das Wasser ist völlig ruhig und so ergeben sich schöne Spiegelungen. Hinter dieser Baumreihe liegt übrigens die beliebte Erlebniswelt ZOOM, in der sich zur Zeit Sam aufhält, der vor kurzem noch mit uns an Bord war. Nach 45 Minuten Fahrzeit können wir die Schleuse Wanne-Eickel anfunken, um uns anzumelden, diese Schleuse war bis vor einer Woche gesperrt, weswegen wir unsere Route danach angepasst hatten. Nun müssen wir vom Schleusenwärter hören, dass sie aufgrund der gestrigen heftigen Unwetter wieder gesperrt ist 😲 er könne uns auch noch nicht sagen, wie lange es dauern wird, den Fehler zu beheben, es könnte in 30 Minuten der Fall sein, vielleicht aber auch erst am Abend oder gar morgen ... > SO EIN MIST 😖
Zügig überlegen wir unser weiteres Vorgehen: entweder warten und hoffen, dass es schnell geht oder aber umdrehen und zum Rhein und über den Wesel-Datteln-Kanal zurück, was aber ein enormer Umweg mit vielen Schleusen wäre. Dazu kommt, dass uns die Zeit im Nacken sitzt, es ist Freitag und am Sonntag müssen wir wieder im Heimathafen sein, unsere Reservetage mussten wir schon in Mühlheim absitzen. Also gehen wir kein Risiko ein und drehen direkt um, auf gehts Richtung Westen ... die Strecke kennen wir ja schon. Bei der Schleuse Gelsenkirchen können wir direkt einfahren und werden im Alleingang geschleust. Auf dem Weg nach Oberhausen sehen wir ein futuristisch wirkendes Berufsschiff an den Dalben liegen, es ist der ECOTANKER III, es handelt sich hierbei um ein mit Flüssigerdgas (LNG) betriebenes Tankschiff. Auffällig ist, dass die Aufbauten mit dem Steuerhaus auf dem Bug sitzen und das Heck einfach nur flach endet
> ein ungewohnter Anblick 👀 Es gibt nur 2 Schiffe dieser angedachten Serie, danach wurde die Weiterführung aus Kostengründen wieder eingestellt, allein die aufwändige Antriebstechnik verschlingt beim Bau angeblich das 8-fache gegenüber dem herkömmlichen Dieselmotor. Wir nähern uns Oberhausen und sehen nun von Osten kommend auch wieder den tanzenden Strommast mit Namen Zauberlehrling, seit 2013 steht das Kunstobjekt hier in einem Feld. Vorbei geht es dann an der Marina und dem Gasometer, unterwegs hören wir schon über Funk, dass die kommende Schleuse Oberhausen auch aufgrund des Unwetters Probleme hat, aber zumindest eingeschränkt funktioniert > hoffen wir, dass es so bleibt❕ Westlich des Gasometers sehen wir bei bestem Wetter einen alten Brückenkopf am Nordufer stehen, auf ihm ist ein Sonnensymbol 🌞 angebracht. Wer mir dazu weitere Infos geben kann, darf mir gerne schreiben!

Nach 25 km ab der defekten Schleuse erreichen wir die Schleuse Oberhausen und melden uns per Funk an, doch man sagt uns, wir müssten 2-3 Stunden warten, evtl könnten wir bei dem drittnächsten Vorgang mit in die Kammer. Also machen wir am Wartesteg fest und verfolgen das Geschehen. Als es eigentlich soweit sein könnte, fragen wir nochmals nach, doch bekommen wir da zu hören: Nein, ihr könnte nicht mit rein, es ist auch ungewiss, wann es klappt ...😕😕 Kurze Zeit darauf erfahren wir über Funk, dass die Schleuse Wanne-Eickel wieder funktioniert. Da wir uns schon früh gesagt hatten, wenn diese Nachricht vor der letzten Schleuse vorm Rhein kommt, werden wir umdrehen und genau das machen wir nun > ein Return vom Return, es geht wieder 25 km und eine Schleuse zurück nach Osten und erreichen nach 6 Stunden Irrfahrt kurz vor 17 Uhr die Schleuse, in die wir dann auch direkt einfahren dürfen. Auch die danach kommende Schleuse Herne-Ost befördert uns direkt und im Alleingang nach oben, so dass wir letztendlich nach über 9 Stunden um 19:30 Uhr unser Tagesziel, den YC Hebewerk Henrichenburg erreichen und es ist sogar trotz der späten Stunde noch unser Lieblingsplatz am Gästesteg frei > was für eine Belohnung für den heutigen verrückten Tag. Fix koche uns was schnelles und wir genießen das Mahl mit dem wunderschönen Blick auf das sonnenangestrahlte alte Hebewerk.

Tag 22: Henrichenburg > Münster-Wilbrenning

Kurz vor Mittag lassen wir erst das Passagierschiff HENRICHENBURG ablegen, um dann selbst die Leinen zu lösen, die ersten km fahren wir in passendem Abstand hinter ihr her, beim Abzweig Datteln-Hamm-Kanal macht sie eine Kehrtwende, für uns geht es weiter Richtung Norden. Beim Abzweig Wesel-Datteln-Kanal sehen wir wieder die noch in Bau befindliche neue Brücke (s.o. Tag 2), es zeigt sich, dass auch der Rundbogen und die senkrechten Streben Farbe bekommen. Bin gespannt, wie sie im nächsten Jahr aussehen wird, denn dann sind wir erst wieder an dieser Stelle. Nachdem wir die Lippeüberführung überquert haben sehen wir ein Stückchen weiter ein sogenanntes "Geisterschiff" liegen, das uns schon bei der Hinfahrt aufgefallen ist. Es ist das Tankerschiff INKA, sie liegt wohl bereits im dritten Jahr in diesem Bereich. Da der ausländische Besitzer nicht erreichbar ist und von ihm keine gefährlichen Stoffe austreten, lassen die zuständigen Ämter es hier liegen, lediglich die Fenster und Türen wurden zugenagelt, nachdem das Schiff vermehrt von Jugendlichen als interessante Location für Badetage und Partys entdeckt wurde. Wäre ein Auto oder LKW an einer Straße abgestellt, würde es/er definitiv nicht so lange da stehen bleiben ...
Für uns geht es zunächst weiter bis Lüdinghausen, dort machen wir kurz an der Sportbootliegestelle fest, um beim nahegelegenen Supermarkt Grillfleisch für heute Abend zu besorgen. Nach der kurzen Pause unterqueren wir die alte genietete Eisenbahnbrücke, diese Firstbalkenbrücke steht zwar unter Denkmalschutz, doch muss sie trotzdem beseitigt werden, da sie ein Nadelöhr für die Schifffahrt darstellt, sie bietet nur eine Durchfahrtshöhe von 4,25 m und die Kanalbreite ist ebenfalls eingeschränkt, ein Neubau ist schon in Planung. Am frühen Nachmittag erreichen wir unsere letzte Übernachtungsstelle, die Sportbootliegestellt Wilbrenning, sie gehört zu Münster und liegt westlich der A1. Das Wetter ist herrlich, so geht es zur Abkühlung erstmal ins Wasser. Während wir nach dem Essen noch die Ruhe hier genießen, kommt die MS GÜNTHER vorbei, sie wurde anscheinend für eine Feierlichkeit gebucht, denn dicht an dicht stehen die Personen an Deck. Wir haben es zur Zeit lieber etwas ruhiger und lassen den Urlaub an Deck bei einem Glas Rotwein 🍷 Revue passieren, dabei haben wir Blick auf die untergehende Sonne, auch wenn sie sich zeitweise hinter den Wolken verbirgt.


Tag 23: Münster-Wilbrenning > Fuestrup

Zu unserem letzten Urlaubsfrühstück gibt es Rührei mit diversen Beigaben, auf diese Art und Weise werden wir so einige Zutaten los und es ist seeeeehr lecker 😋😋 Später legen wir bei schwülen 18°C ab und fahren durch die Stadtstrecke von Münster, am Südende des Stadthafens sehen wir wieder viele Wohnwagen und Bullis von Campern stehen, hier ist zwar kein offizieller Campingplatz, aber es wird geduldet. Im Stadthafen selbst liegt das 85 m lange Kreuzfahrtschiff SWISS RUBY, es ist von 2002 und besitzt 44 Außenkabinen. Davor löst die MS GÜNTHER
gerade ihre Leinen und begibt sich auf ihre nächste Fahrt, ansonsten liegt trotz des Wochenendes nur ein weiteres Sportboot auf der Nordseite. Auch wir machen heute nicht hier fest, sondern passieren wahrscheinlich zum letzten Mal die alte Wolbecker-Straßenbrücke, denn planmäßig steht für dieses Jahr keine Fahrt Richtung Süden mehr an > deshalb nochmals ein Bild von ihr, dahinter steht schon die Neue. Die letzte Schleuse dieses Urlaubs ist die von Münster, sie lässt uns direkt in die Westkammer einfahren, dabei sehen wir, dass auch hier etwas für die Insekten getan wird, der Grünstreifen leuchtet herrlich mit seinen vielen gelben Blüten. Nach dieser letzten Schleusung ist es nicht mehr weit, gegen 14 Uhr erreichen wir die Einfahrt zu unserem Heimathafen Marina Alte Fahrt Fuestrup, unser Stegnachbar Thomas ist gleich zur Stelle und heißt uns mit einer Videoaufnahme willkommen > DANKE 🙏
Unser Sohn Sam hatte uns vor etwas mehr als 3 Wochen hierher gebracht, begleitete uns auf der Fahrt für eine Woche, nun holt er uns hier auch wieder ab, so sind die vielen Dinge zu dritt fix wieder im Auto verstaut. Auf dem Rückweg nach Hause legen wir in Warendorf einen Stopp ein, um in dem dortigen Flammkuchenrestaurant Le Feu das Abendessen einzunehmen, so haben wir einen schönen Ausklang an diesem letzten Urlaubstag.

Hier nochmals die Tour in Stichpunkten zusammengefasst:

▷ 419 km     ▷ 54 Betriebsstunden     ▷ 21 Schleusen     ▷ 240 Liter Diesel
▷ 16 Fahrtage     ▷ 23 Spaßtage     ▷ durchwachsenes kühles Wetter
▷ es war eine schöne gemütliche Tour durch das Ruhrgebiet incl. Ruhr
▷ das defekte SUP schicken wir zurück und bekommen auch kurze Zeit später das Geld wieder 👍
▷ 10 Tage nach unserer Ruhrfahrt gibt es in NRW einen Starkregen, der zu einer Hochwasserkatastrophe führt. Auch die Ruhr ist betroffen, der Stadthafen in Mühlheim z.B. steht bis zur obersten Treppenstufe unter Wasser, andere Regionen trifft es allerdings weitaus härter!!!







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Die nächsten 6 Wochen kommen wir - mal wieder berufsbedingt 😕 - nur wenig zum Boot, doch das Wetter spielt passend mit 🌞 so dass wir jeweils raus fahren und nach dem Auftanken ein Bad im Kanal nehmen können. Nebenbei machen wir uns Gedanken, wie wir einen kleinen Schrank in der Bugkabine besser nutzen können, er ist unter dem höheren Bett, durch die Schräge des Bootrumpfes gibt es gefühlt keine rechten Winkel, aber ein großes Stauraumvolumen. Bisher war hier nur eine kleine Kleiderstange angebracht, die aber von uns nicht genutzt wurde, dafür liegen alle möglichen Dinge kreuz und quer darin 🙈 Bei unseren Folgebesuchen bringen wir zunächst an den Seiten Leisten an und schneiden mit Pappe die Einlegeböden zu, nach denen wir später die Bretter daheim zusägen können. Der Schrankboden hat nur eine Tiefe von 25 cm, das obere Regalbrett jedoch stolze 65 cm 👍 So entsteht ein gescheiter Schrank, in den nun viel mehr rein passt und übersichtlicher ist es jetzt auch 👀👍


Nebenbei nutzen wir fast jede Gelegenheit, um in unserem tollen Hafenrestaurant
Zum Fährhaus essen zu gehen, denn es wird leider nach 19 Jahren Mitte September schließen 😥😥 Gerne sind wir hier eingekehrt, das Team um Harry und Anes Brčvak war immer total nett und die liebevoll zubereiteten Speisen sehr köstlich 😋 Während des Lockdowns konnten wir uns das bestellte Essen abholen und haben halt an Bord gegessen. Was nun folgen wird ist ungewiss, der neue Hafeninhaber hat sich zumindest uns gegenüber noch nicht geäußert ...



Im September planen wir mit unseren beiden Bootsnachbarschiffen einen kleinen Wochenendtrip 🚢🚢🚢 zu einer nahe gelegenen Sportbootliegestelle. Da wir alle am Freitagnachmittag schon anreisen können, bereite ich Zuhause einen großen Topf Kürbissuppe zu. Im letzten Jahr hatte sich eine gemeinsame Verzehrung ganz spontan ergeben, so kam das Thema jetzt wieder auf den Tisch - im wahrsten Sinne des Wortes 😂 Nachdem die Männer - leider - erfolglos versucht haben, einen Generator zu reparieren, wird im großen Kreise auf dem Grünstreifen vor den Booten gemeinsam gespeist. Trotz der kühlen Temperaturen sitzen wir an diesem Abend noch lange hier und haben viel Spaß 🍻🍻
Am nächsten Tag geht es los: bei strahlend blauem Himmel starten wir gegen 11 Uhr mit der MY DREAM und der VENTURA und fahren Richtung Norden. Bei Dörenthe geht es für einen Moment in das dortige Liegebecken, um zwei größere Entgegenkommer vorbei zu lassen. Eins der beiden ist die optisch auffällige 40 m lange THE PIONEER ONE, das Redaktionsschiff hat erst im April diesen Jahres seine Werft in Mondorf am Rhein verlassen und befindet sich gerade auf dem Weg nach Berlin, dort möchte sie passend zum großen diesjährigen Wahltag eintreffen. Angetrieben wird sie durch einen Hybridmotor und hat für die schnelle Berichterstattung auch ein Studio mit an Bord. Nach der Vorbeifahrt folgen wir ihr, doch hängt sie uns schnell ab. Wir fahren weiterhin brav hintereinander weg, nutzen aber auch die Gelgenheit, mal nebeneinander zu fahren, so lassen sich gegenseitige Bilder machen, wann hat man schon mal diese Gelegenheit ... Nördlich von Riesenbeck biegen wir beim Nassen Dreieck in den Mittellandkanal ab, um diesen aber nach 4 km wieder zu verlassen, es geht in die Alte Fahrt, auch Stichkanal Ibbenbüren genannt, um dort an der Spundwand festzumachen. Dank eines sehr netten Eigners, der mit seinem Boot hier liegt und es mit unserer Hilfe etwas verschiebt, passen wir sogar alle 3 direkt hintereinander an die Sportbootliegestelle  > > >  DANKESCHÖN  < < <
Auf diese schöne Fahrt gibt es erstmal einen leckeren Anlegeschluck für alle 😋
Den restlichen Tag verbringen wir in froher Runde an unserer gemeinsamen Tafel im Grünen, abends grillen wir und lassen uns die mitgebrachten Köstlichkeiten schmecken - feste wie auch flüssige 😂😂 Am nächsten Tag müssen wir leider diesen schönen Platz wieder verlassen, so starten wir gegen 11:30 Uhr die Maschinen und legen bei bewölktem aber trockenem Himmel ab. Noch bevor wir nach 4 km in den Dortmund-Ems-Kanal (DEK) abbiegen müssen, überholen wir drei 🚤🚤🚤 einen 120 m langen Schubverband, dieses Manöver dauert zwar 10 Minuten, doch gab es hier keinen Gegenverkehr, das ist auf dem DEK meist anders. Dort kommt uns z.B. die URSUS entgegen, dabei handelt es sich um einen Schwergutleichter. Er besitzt ein um 360 Grad schwenkbares Bugstrahlruder zum leichteren Manöverieren, außerdem 8 befüllbare Ballasttanks für den Höhenausgleich und er kann mit 1200 Tonnen Fracht beladen werden. Eigentlich ist er überwiegend im Berliner Raum unterwegs und transportiert dort 440 Tonnen schwere Gasturbinen. Bei Ladbergen liegt westlich des Kanals der Flughafen Münster/Osnabrück, die Start- und Landebahn liegt so, dass die Flugzeuge bei passendem Wind relativ niedrig über dem Kanal noch im Steigflug sind, so wie diese Boing 737-800 auf ihrer Charterreise nach Fuerteventura. Wir setzen unsere Fahrt hier unten fort und können teils auch die ganze Kanalbreite einnehmen. Bald darauf kommt uns die FELICITAS II entgegen, die alte Dame stammt aus dem Jahre 1926. Nach 3 Stunden Fahrtzeit erreichen wir wieder unseren Heimathafen und legen einer nach dem anderen in der jeweiligen Box an. Die MY DREAM kommt als letztes rein, wird aber von uns allen mit rotierenden Leinen empfangen 🤠🤠🤠
Es war ein tolles Wochenende mit euch, das wir
im nächsten Jahr UNBEDINGT wiederholen sollten❕❕❕


2 Wochen später starten wir bei teils bewölktem Wetter in unsere diesjährige Herbsttour, es führt uns am ersten Tag nochmals zu der Sportbootliegestelle im Stichkanal Ibbenbüren. Auf dem Weg werden wir von dem  80 m langen Frachtschiff URANUS überholt, wir haben genug Zeit, so lassen wir ihn gerne vorbei. Der Himmel klart immer mehr auf, ich sitze mit Blick nach hinten auf dem Achterdeck und lasse mir die Sonne ins Gesicht 🌞😎 scheinen. Nach 3,5 Stunden Fahrtzeit erreichen wir die Sportbootliegestelle und finden ohne Probleme noch ein freies Plätzchen. Die Temperaturen erreichen nochmals 16°C, prima für unseren heutigen Grillabend 😋😋
Abends machen wir mal etwas Seltenes an Bord: wir schauen TV, denn die neue Staffel der schönen WDR-Sendung Lecker an Bord startet heute, mit dabei ist das gewohnte Dreigestirn mit dem UNAONE-Kapitän Heinz-Dieter Fröse und den beiden Köchen Björn Freitag und Frank Buchholz. Die UNAONE hat ihren Heimathafen ebenfalls wie wir in der Marina Alte Fahrt Fuestrup gefunden.
Am nächsten Tag klingelt bereits um 7 Uhr der Wecker, denn es liegen 40 km und 6 Schleusen vor uns, letzteres kann jeden Zeitplan durcheinander bringen ... Ohne Frühstück, aber nach dem Motorcheck starten wir die Maschine und fahren bei nur 9°C zurück in den Mittellandkanal und erreichen schon bald den Dortund-Ems-Kanal mit der ersten Schleuse, es ist Bevergern. Am Funk sagt man uns: macht erstmal fest, das kann 45-60 Minuten dauern 😲😲 Gut, dass ich auf dem Weg bereits unser Skipperfrühstück vorbereitet hatte, so können wir es nun in Ruhe einnehmen 😋 Zum Glück meldet sich bald das Tankschiff CHRISTIAN BURMESTER über Funk an, doch dauert es noch eine ganze Weile, bis wir ihn um die Ecke kommen sehen. Hinter ihm dürfen wir mit in die Kammer einfahren und schleusen nun die 8 m Hub hinunter. Da vor ihm noch ein Arbeitsschiff liegt, bleibt nicht viel Platz zwischen ihm und uns, doch es klappt alles prima. Am Tiefpunkt angekommen machen wir die Leinen richtig fest, so bleiben wir bei seiner Ausfahrt trotz der dann entstehenden Strudel immer schön an der Wand liegen. Bei der Weiterfahrt kommt uns der Frachter QUARZIT entgegen, während er den CHRISTIAN BURMESTER passiert wird einem bewusst, wie eng es manchmal für die Großen auf dem Kanal ist, wenn dann noch Schwimmer oder Kanuten im Fahrwasser sind, kann es richtig gefährlich werden. Der Berufsschiffer hat eine passende Geschwindigkeit für uns, so bleiben wir an ihm dran und können auch die anderen 5 Schleusen ohne Zeitverzögerung nehmen > SUPER 👍 Bis auf Altenrheine hat jede Schleuse eine Großbaustelle im Bereich der alten ausgedienten Kammer, denn sie bekommen alle eine neue größere Kammer (dann 190 m x 12 m), die auch für die Großmotorschiffe geeignet ist (Altenrheine hat bereits seit 1974 diese Ausmaße). Mal schauen, wann das Mammutprojekt 🚧 fertig ist ...
Der gesamte Schiffsverkehr ist dadurch zum Glück nicht beeinträchtigt, teils sind wohl im Unterwasser die mobilen Sportbootwarteanleger auf die andere Uferseite "gewandert".
Das Wetter meint es weiterhin gut mit uns, so sehen wir bei der Schleusen"arbeit" schöne Schattenbilder von uns auf der Kammerwand. Nach 7 Stunden Fahrt erreichen wir Lingen-Hanekenfähr und biegen in die Ems ein, noch vor dem Emswehr liegt eine kleine Hafenanlage, sie gehört zu dem auf der Inselspitze gelegenen Hotel Am Wasserfall, auch ein großer Campingplatz gehört zu der Gesamtanlage. Nach Rücksprache mit dem Hafenmeister dürfen wir schräg hinter seinem Schiff festmachen, da er die nächsten Tage nicht fährt.
Zum Bezahlen gehen wir zur Hotelrezeption, dort erfahren wir auch, dass wir die Sanitäranlagen und Duschen vom Campingplatz mitbenutzen dürfen. Anschließend machen wir noch einen kleinen Gang zum Emswehr, das auch als Wasserfall benannt wird.
Abends lassen wir uns im Hotelrestaurant Ems-Island kulinarisch verwöhnen und stellen dabei fest, dass wir noch nie so eine nett formulierte Kinderspeisekarte gesehen haben > TOLL 👍
Die restlichen Stunden verbringen wir jedoch wieder auf unserem Achterdeck, schön eingepackt in kuscheligen Decken, denn die Temperaturen sind herbstlich frisch.
Eigentlich wollten wir nach einer Übernachtung weiterfahren bis Meppen, doch schon seit Tagen ist für morgen Sturm gemeldet, so legen wir lieber einen Ruhetag ein.
Am Morgen danach ist es noch recht lange nebelig, so dass wir uns erst um 12:30 Uhr auf den Weg machen. Es geht zunächst weiter nach Norden bis zum Alten Hafen Lingen, dort legen wir einen kleinen Stopp ein, denn die Vorräte müssen auffüllt werden. Hier am Ufer ist immer noch eine Großbaustelle, z.Z. entsteht die White City, ein Komplex aus 9 weißen Mehrfamilienhäusern. Einige ähnlich aussehende Gebäude stehen schon länger. Nach dem Verstauen der Einkäufe legen wir wieder ab und nehmen nun Kurs Richtung Süden, vorbei an den schönen gelben km-Schildern, die hier am Ostufer stehen und der Alten Fahrt Hanekenfähr mit seinen 3 Sportboothäfen, dort haben wir auch schon öfters sehr schön gelegen. Am Westufer können wir kurz danach durch die offen stehende Schleuse Hanekenfähr in den Ems-Vechte-Kanal schauen, hier erreicht man nach 16 km Nordhorn. Direkt hinter der Schleuse sehen wir Sportboote, die dort an dem Anleger des YC Lingen liegen. Für uns geht es jedoch auf dem DEK noch ein kleines Stückchen weiter, bis wir vor der Schleuse Gleesen in die abzweigende Ems einbiegen. Hier fühlen wir uns ein bisschen wie damals in Irland, in natürlicher Umgebung schlängelt sich der Fluss durch die Wiesen und Felder, die Bäume ragen teils weit in das Wasser hinein, lassen aber genug Platz zum Fahren > HERRLICH 😀
Nach 15  Minuten Fahrt sehen wir einen weiteren Anleger des YC Lingen liegen, viele nennen ihnen einfach Wiese, er besteht aus einem ca. 100 m langen Holzsteg mit Strom- und Wasseranschluss. Am Steganfang liegt das schwimmende Vereinsheim (das zur Zeit renoviert wird), in ihm befinden sich auch die Sanitäranlagen. Beim Erkundungsgang über die namensgebende große Wiese sehen wir einen großen Unterstand mit Sitzbereich und eine Grill-/Lagerfeuerecke mit ebenfalls überdachter Sitzgruppe. Der Verein bittet um eine vorherige Anmeldung.
Einige Boote fahren langsam vorbei, einige sind aber auch mal wieder viel zu schnell:
 SOG UND WELLENSCHLAG VERMEIDEN   kennen wohl immer weniger Fahrer 😒👎
Während die warmen Sonnenstrahlen uns ins Gesicht scheinen, genießen wir unseren Anlegeschluck, zum frühen Abend hin aktiviert Ludger nochmals den Grill. Der Ausblick in die Natur mit der untergehenden Sonne bietet ein phantastisches Bild.
Kurz danach "verschwinden" die Kühe 🐄🐄
auf der gegenüberliegenden Wiese
im aufsteigenden Bodennebel.
Die letzte Nacht war recht kalt draußen, um 9 Uhr sind es nur 4°C und die Landschaft wird noch vom Nebel eingehüllt, an ein Fahren ist vorläufig nicht zu denken. Nach einem gemütlichen Frühstück unter Deck können wir aber gegen 11 Uhr bei 12°C und herrlich blauem Himmel ablegen und fahren zurück zum DEK. Die Schleuse Gleesen und auch die beiden folgenden können wir gemeinsam mit dem Frachter HEINRICH nehmen, danach funkt er uns an, dass er sich beim kommenden Hafen Spelle-Venhaus quer stellen wird, da er anlegen muss, wir lassen ihn in Ruhe manövrieren. Eine Schleuse liegt noch vor uns, hier müssen wir kurz am Wartesteg festmachen, das hat aber den Vorteil, dass wir Besuch bekommen können, denn wir treffen uns hier mit unseren Nachbarboot VENTURA und der K. kann so an Bord kommen, A. bleibt derweil oben auf der Schleusenbrücke stehen und fotografiert uns bei der Einfahrt und der Schleusung, so entstehen schöne Bilder, die man nicht täglich bekommt 👍 DANKE 🙏
Nach der Ausfahrt machen wir eine 180°-Wende und legen uns mit in die Sportbootliegestelle. Für heute Abend haben wir 4 im nahe gelegenen Alten Gasthaus Rielmann einen Tisch reserviert und lassen uns dort die Speisen der aktuellen bayrischen Woche gut schmecken 😋😋😋😋
Den restlichen Abend verbringen wir 4 bei uns auf dem Achterdeck.
Wir haben eine gute Herbstwoche erwischt, es ist zwar kalt, aber auch am nächsten Tag scheint wieder die Sonne 🌞 so wienern die Männer die Boote von außen, besonders die beschlagenen Scheiben und die Solarpanele, sollen sie doch mit voller Kraft arbeiten können 😉 Wir Frauen sorgen derweil im Innenraum für Ordnung > klassische Arbeitsteilung halt 😁😁 Das schöne an dieser ruhigen Liegestelle im Grünen ist, dass man neben der Schleusenkammer liegt und so mitbekommt, wenn ein Berufsschiffer einfährt, so können wir passend ablegen und hinter der ELOISE herfahren, um die kommenden Schleusen mit ihr zu meistern > unser Plan geht auf 👍
Unterwegs kommen wir an dem km-Schild mit der schönen Zahl 111 vorbei,
den nötigen Schnaps dafür heben wir uns aber lieber für heute Abend auf 😉
Unsere letzte Schleuse dieser Tour und in diesem Jahr ist die in Bevergern, unsere beiden Boote kommen hier nebeneinander zu liegen, so lassen wir uns unter "strenger Aufsicht" von einigen Zuschauern um 8 m anheben. Nach der Ausfahrt liegt die schöne Fußgängerbrücke Bergeshöveder Steg vor uns, diese Auslegerbrücke aus Stahl stammt aus dem Jahre 1914, über ihr verläuft das sogenannte Nonnenpättken, ein 4,4 km langer historischer Fluchtweg aus dem 15. Jh. für die Nonnen vom Kloster Gravenhorst nach Bevergern. Nur 3 km weiter südlich machen wir in Riesenbeck an der Liegestelle fest, direkt nebenan ist auch der gut besuchte Wohnmobilstellplatz. Zur Innenstadt mit den Geschäften und Restaurants ist es nicht weit, so sitzen wir am Abend gemeinsam in der Pizzeria Bella Donna und lassen bei leckerem Essen 🍕🍴🍻🍷 das Bootsjahr Revue passieren, der noch ausstehende Schnaps kommt natürlich auch auf den Tisch 😉😋
Am nächsten Morgen sind es an unserem letzten Reisetag um 9 Uhr nur 3 Grad 😬 da lassen wir das Frühstück doch gerne etwas länger dauern und die Sonne erstmal ihre Arbeit verrichten. Beim Ablegen zur Mittagszeit ist die Temperatur immerhin schon auf stolze 9 Grad geklettert,
25 km gemütliche Fahrt ohne Schleusen liegen heute noch vor uns, dann haben wir wieder unsere Marina Fuestrup erreicht. Während der Fahrt nutzen wir nochmals die Gelegenheit, uns gegenseitig zu fotografieren 📷😊 Etwas weiter südlich kommen uns 2 Flusskreuz-
fahrtschiffe entgegen: zum einen die 85 m lange KATHARINA VON BORA, sie fährt unter Schweizer Flagge und ist unterwegs nach Potsdam. Die Namensgeberin war die Ehefrau vom deutschen Reformator Martin Luther. Zum anderen die 82 m lange EXCELLENCE PEARL, sie fährt ebenfalls unter Schweizer Flagge und möchte in 4 Tagen ihr Reiseziel Berlin erreichen. Wir kommen bereits heute nach nicht mal 3 Stunden Fahrt in unserem Heimathafen an, pünktlich zur Kaffeezeit liegen unsere beiden Schiffe wieder in ihren Boxen und haben nach einer schönen - teils gemeinsamen - Herbsttour das Saisonende erreicht.
In diesem Jahr erreichten wir folgende Eckdaten:
▷ 795,3 gefahrene km     ▷ 100,2 Betriebsstunden     ▷ 46 Schleusen  
▷ 400 Liter Diesel verfahren     ▷ Dank Solar < 1 Gasflaschen verbraucht     ▷ 52 Spaßtage gehabt

Mitte Oktober fahren wir ein letztes Mal aus unserer Box heraus, doch geht es heute nicht weiter zum Kanal, sondern in die andere Richtung zum Kranplatz. Hier haben wir noch Zeit einige Dinge vorzubereiten: Die Persenning wird entfernt, sperrige Teile hier bequem von Bord geschafft und direkt ins Auto verladen, ebenso wird das Holzgestell für die Winterplane an Deck gelegt usw. Jetzt übernehmen die Hafenjungs, sie hängen unsere BetteLu in die Schlupfen, schwenken sie rüber an Land und spritzen den Rumpf per Hochdruckreiniger ab, um sie anschließend an den Winterplatz zu befördern und aufzubocken. Nun sind wir wieder gefragt, das Holzgestell wird verschraubt und die schwere Plane, die bei uns nur den Cockpitbereich abdeckt, will positioniert und gespannt werden, immer wieder eine langwierige und fummelige Arbeit für uns.
Bei unserem nächsten Besuch verwandelt sich
der Innenraum ruckzuck wieder in eine chaotisch aussehende Winterwerkstatt 🙈
der ausgebaute Fäkalientank findet ebenso wie die sperrigen Motorraumdämmplatten auf dem Eignerbett Platz, rundherum stehen Werkzeugkoffer und Material für die Winterarbeiten. Der alte defekte Wechselrichter hat Priorität und wird ausgebaut, an seine Stelle soll der bereits neu gekaufte. Doch OHJE 😨 der passt gar nicht an die alte Stelle, also begeben wir uns auf die Suche nach einem freien Eckchen dafür. Hinter dem Kühlschrank werden wir fündig und setzen ihn auf eine angebrachte Holzkonstruktion, die Anschlußkabel fehlen zur Zeit noch ... Damit dieser Hohlraum durch die vielen Geräte nicht zu warm wird, bekommt er einen dicken Abluftschlauch mit Ventilator.
  Anfang des neuen Jahres montieren wir auf dem frei gewordenen Platz des alten Wechselrichters 4 Lithium-Erweiterungsbatterien (BOS LE 300), sie werden einfach parallel zu den Blei-Akkus angeschlossen. Um die eigenständige Arbeit der neuen Akkus zu überwachen, haben sie noch einen eigenen Batteriemonitor bekommen. Nach der Inbetriebnahme ist Ludger begeistert von der Performance: Die Lithium-Batterien übernehmen die meisten Ladezyklen, während die Bleibatterie eine kostengünstige Backup-Kapazität bietet. Der Bleiakku wird mit höherer Priorität aufgeladen, während der Lithiumakku die gesamte überschüssige Energie aufnimmt. Dieser Prozess trägt dazu bei, die Lebensdauer der Bleibatterie zu erhöhen.... und es funktioniert 😃👍 Nachdem wir auch noch den neuen Wechselrichter komplett angeschlossen haben, testen wir ihn gleich mit dem Toaster > auch das klappt einwandfrei, von nun an kann es jeden Morgen auch ohne Landstrom warme Brötchen geben 😋 Einige Arbeitstage später sind auch die restlichen Anzeigegeräte in unserer Zentrale eingebaut und angeschlossen, jetzt darf eigentlich nichts mehr dazu kommen, denn sie ist VOLL, ein Zeitrelais für den Batterie-Charger sitzt sogar schon seitlich unter dem Lautsprechermikrofon vom Funkgerät.
Damit wir aber keine Entzugerscheinungen bekommen 😁 setzen wir am Tag darauf bei unserem Nachbarschiff 2 Messgeräte ein, denn der Eigner möchte auch einen Batteriemonitor und eine Fernanzeige für den kommenden Solarregler haben > kein Problem, damit haben wir ja schon Erfahrung 😉
Die nächsten 4 Wochen kommen wir leider berufsbedingt (was auch sonst ...) nicht zum Hafen, doch passend nach den kräftigen Stürmen sind wir wieder am Start. Einigen Booten bei uns im Hafen hat es die Planen vom Boot gerissen, bei uns ist zum Glück alles in Ordnung. Verlass ist in solchen Fällen auf die lieben Eigner, die hier auf ihren Booten wohnen und immer die Augen offen halten.
> > > VIELEN DANK DAFÜR < < <
Als leichten Arbeitseinstieg bekomme ich heute mal einen Wunsch erfüllt 😉 der Wasserhahn in der Küche funktioniert zwar, ist aber häßlich, so wird ein von mir ausgesuchter eingesetzt, den Funktionstest können wir allerdings erst machen, wenn wir wieder im Wasser sind - SCHADE, aber gut aussehen tut er schon mal 😍
Das nächste Projekt ist eine neue Kühlbox, in ihr sollen im Sommer die köstlichen Getränke 🍺🍹 auf angenehme Temperaturen gebracht werden. Wir haben uns für eine mit 36 Liter entschieden, die von oben zu öffnen ist, denn sie wird ihren Platz in der Küchensitzbank finden. Außerdem hat sie einen abnehmbaren Kompressor (so wie der im letzten Jahr eingesetzte neue Kühlschrank auch), diesen platzieren wir in dem Bilgenbereich darunter. Zum besseren Arbeiten haben wir kurzerhand den Küchentisch demontiert. Da die alten Sitzpolster nun nicht mehr gut praktikabel sind und wir dort eh nie gesessen haben, soll eine Holzplatte mit 2 klappbaren Öffnungen dort hin, im Baumarkt werden wir fündig. Zugesägt und runde Kanten gefräst wird zu Hause, somit müssen wir an Bord immer messen und uns Schablonen basteln, die wir dann übertragen können, ist leider mühselig und langwierig ...
Auf dem rechten Bild seht ihr einen provisorischen Zwischenstand.

Beim nächsten Besuch im Hafen machen wir bei schönstem Wetter einen Spaziergang zur Großbaustelle, es handelt sich dabei um das Megaprojekt neue Emsüberführung. Seit Jahren wird gebuddelt, doch das erste Etappenende naht.
Der neue Trog ist schon länger an seinem Platz und wir stellen fest, dass man nun direkt
bis an die neue Kanaltrasse gehen kann und diese bereits mit Wasser gefüllt wurde, sicherlich als Dichtetest. Auch bekommen wir einen guten Blick auf die baulich sehr schöne erste Emsüberführung aus dem Jahre 1879, durch ihren Sandstein fügt sie sich prima in die umgebende Naturlandschaft ein, seit 1990 steht sie unter Denkmalschutz.
An den Enden der kommenden Umfahrung fehlen aber noch die Verbindungen zu dem aktuellen Kanalabschnitt, doch soll es angeblich zum Jahresende fertig sein - wirklich dieses Jahr??? 😁
Ist die Umfahrung dann geöffnet, wird die eigentliche Überführung erneuert und danach der Schiffsverkehr wieder zurückverlegt.
Das wird aber noch viele Jahre dauern - oder mehr ...

Beruflich bedingt gibt es danach mal wieder eine 3-wöchige Zwangspause 😕😕 Während Ludger im hohen Norden im Schnee sitzt und arbeitet, schaffe ich es zum Glück zu Hause bei bestem Märzwetter 🌞 wenigstens die Persenning im Garten zu reinigen und zu imprägnieren. Dabei kontrolliere ich auch immer ihren Zustand, fast jährlich muss das alte Stück zum Planendoktor zum Ausbessern, so auch dieses Jahr 😕 Es ist für diese Saison geplant, eine neue anfertigen zu lassen, doch bis die fertig ist vergeht viel Zeit ...
Somit bekommt sie in diesem Frühjahr diverse Nähte nachgenäht und 3 neue Fenster, später soll sie dann mal die Winterplane ablösen.

Erst Anfang April kommen wir wieder zum Boot, auf dem Dach liegt eine dünne Schneeschicht, doch wir wollen eh noch drinnen arbeiten. Leider müssen wir dort feststellen, dass das Holz für die Bankabdeckung nicht geeignet ist, es hat sich zwischenzeitlich gewölbt 😲😲, da müssen wir also nochmals von vorne anfangen > BLÖD
Ich stelle fest > der Finger oben auf dem Bild passt zu der Situation 🖕🙈
Wir belassen es erst mal dabei und kümmern uns lieber um die Starterbatterie, denn die muss erneuert werden, also ausbauen, zum nahe gelegenen Fachhändler fahren und dann einbauen. Wenn die Biester doch nicht so schwer wären, müssen sie doch schließlich in die Tiefen des Motorraums gewuchtet werden und da ist bei uns nicht viel Platz zum Hantieren.

Eine Woche später beginnt der 2-wöchige Osterurlaub, auch Dauerarbeit genannt 💪 Wir streben eine Kranung in der Woche nach Ostern an, da können wir jetzt für die umfangreichen Außenarbeiten keinen Regen und schon gar keinen Schnee gebrauchen. Doch wir haben totales Glück 🙏🙏 So arbeiten wir uns Meter für Meter vor, der Dreck der letzten Saison und des Winters muss runter, also waschen, polieren, wachsen und nochmals wachsen, da ist Ludger eigen. In diesen Tagen erscheint uns das Boot immer als VIEL ZU GROSS 🤣
Während ich so auf der Leiter stehe, kann ich nun auf die Gangbord schauen und sehe, dass sich über den Winter Miniplatzer zu Roststellen ausgeweitet haben, also bringen wir beim nächsten Besuch den Nadelentroster mit und rücken ihnen damit zu Leibe. Fürs erste pinsel ich sie dann mit einer Rostversiegelung ein, die weiteren Arbeitsschritte folgen, wenn wir im Wasser sind. An den Ostertagen nehmen wir uns eine kleine Auszeit, doch am Dienstag geht es gleich weiter, obwohl ich einen fast-24-Dienst 😷 mit nur 2 Stunden Schlaf hinter mir habe 😴
Heute steht das Unterwasserschiff auf dem Plan, die Opferanoden und die Propeller der Querstrahlruder werden abmontiert und gereinigt, ich klebe derweil den Wasserpass ab. Nachdem wir Folie ausgelgt haben, geht es los, ca. 7 Liter Antifoulingfarbe wollen auf den Rumpf gerollt werden, komplett es dauert es fast 6 Stunden. Außenrum ist das Schiff nun bereit für das Wasser, morgen nur noch ein paar Arbeiten im Motorraum erledigen:
z.B. tauscht Ludger erstmals selber den Impeller, ist etwas fummelig, aber klappt 👍, des weiteren wird die Bilge danach notwendigerweise trockengelegt, das Erdungskabel für die Sommersaison umgesteckt, der Luftfilter erneutert und der Fäkalientank wieder eingesetzt (der stört uns bei so einigen Arbeiten im Motorraum, deswegen wird er jeden Winter ausgebaut). Anschließend haben wir uns eine Tee-Plätzchen-Pause verdient und ich finde auf dem Sofa 🛋️ schon genug Platz, um ein kurzes Schläfchen einzulegen, während Ludger bei umserem Nachbarboot etwas werkelt.
Am 21. April ist es soweit: wir entfernen morgens die Plane, die den Cockpitbereich im Winter schützt, und das zugehörige Holzgestell, anschließend wird klariert (heißt > die Leinen und Fender kommen wieder an ihren Platz) und die vorderen Persenningteile werden schon wieder angebracht. Pünktlich zu 14 Uhr kommen die Hafenarbeiter mit BigFoot und dem Hubwagen um unsere BetteLu zum Kranplatz zu transportieren.

 
Demnächst gibt es dann auf neuer Seite